Vered Lavan
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Der Kardinal zelebriert die Alte Messe aus drei Gründen

Der Kardinal zelebriert die Alte Messe aus drei Gründen

Foto übernommen aus: www.summorum-pontificum.de/meinung/medina_08.shtml
Text übernommen aus: www.cardinalrating.com/cardinal_63__article_2708.htm

Dec 26, 2005
Üblicherweise lese er – so der Kirchenfürst – die Messe im Neuen Ritus. Daher vergesse er im klassischen Römischen Ritus häufig, Daumen und Zeigefinger nach der Wandlung geschlossen zu halten.
Am Abend des 19. April verkündete Kardinal Medina die Wahl von Joseph Ratzinger zum Papst.

(kreuz.net, 19. Dezember 2005) Der emeritierte chilenische Kurienkardinal Jorge Medina Estevez (78) sprach kürzlich mit der französischen Tageszeitung ‘Présent’ über Papst Benedikt XVI. und die alte Messe. ‘Présent’ steht dem Front National nahe.

Kardinal Medina erklärt im Interview, daß er den klassischen Ritus aus drei Gründen zelebriere.

Erstens sei er in der alten Form des Römischen Ritus zum Priester geweiht worden und habe den überlieferten Ritus mehr als 15 Jahre selber zelebriert: „Ich schätze seinen Reichtum.“ Gleichzeitig achte er natürlich den Reichtum der Reform von Papst Paul VI.

Als zweiten Punkt nennt der Kirchenfürst seine Mitgliedschaft in der päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’. Diese sorgt sich um die Gläubigen des Alten Ritus. „Das scheint mir ein ausreichender Grund zu sein.“

Als Mitglied dieser Kommission wird Kardinal Medina gelegentlich zur Zelebration von lateinischen Pontifikalämtern eingeladen und muß deshalb eine gewisse Fertigkeit im Alten Ritus besitzen.

Schließlich verweist Kardinal Medina auf die verschiedenen Formen der Spiritualität. Sie verdienten alle den Respekt der Kirche. Diese Verschiedenheit stelle keine Bedrohung für die Einheit der Kirche dar, sonder vielmehr einen Reichtum.

Wenn er aus den genannten drei Gründen den altrituellen Gemeinschaften dienen könne, tue er dies bereitwillig.

Dennoch benütze er gewöhnlich den Neuen Ritus: „Ich habe nach rund dreißig Jahren wenig Vertrautheit mit der alten Form.“

Von Zeit zu Zeit zelebriere er dennoch gerne in dem Ritus, der auf Papst Gregor den Großen († 604) und noch weiter zurückgeht: „Das ist Teil meiner Verpflichtungen.“

Es gebe verschiedene Texte im Alten Ritus – speziell die Opferungsgebete – die in seinen Augen außerordentlich reich seien. Sie hätten seiner Meinung nach – zumindest als Alternative – bewahrt bleiben müssen.

Er habe dieses Anliegen bei der Publikation der dritten Ausgabe des Römischen Meßbuches vorgebracht: „Ich wurde von einer massiven Opposition blockiert und mußte es schließlich aufgeben.“

Seiner Meinung nach gibt es – selbstverständlich ohne die Liturgiereform zu annullieren – einige schöne Dinge im Alten Ritus, die man hätte bewahren müssen: „Vor allem, weil sie den Opfercharakter der Heiligen Messe großartig herausstreichen.“

Kardinal Medina warnt im Interview davor, zu glauben, daß eine Verbundenheit zur Alten Messe mit einer Ablehnung des Zweiten Vatikanums oder einer angenommenen Ungültigkeit des Neuen Meßritus einhergehe. Das sei nicht bei allen und nicht einmal der Mehrheit der Gläubigen des Alten Ritus der Fall:

„Wenn wir diese psychologische Schwierigkeit überwunden haben, dann ist, glaube ich, nach und nach eine friedliche Akzeptanz des Alten Ritus zu erreichen.“

Die theologische Meinung vieler Traditionalisten, wonach es die berühmte Bulle ‘Quo Primum’ des heiligen Papstes Pius V. allen nachfolgenden Päpsten verbiete, den klassischen Römischen Meßritus in der universalen Kirche abzuschaffen, hält Kardinal Medina für vertretbar:

„Ich persönlich glaube, daß man nicht beweisen kann, daß die Alte Messe abgeschafft ist.“

Es gebe gute Gründe, anzunehmen, daß sie nach wie vor in Kraft ist. Andere behaupteten das Gegenteil. Nachdem ein Zweifel bestehe, könne man in dieser Frage Freiheit einräumen.

Selbst wenn es eine allgemeine Erlaubnis zur Zelebration der Alten Messe geben würde, seien wenige – Kardinal Medina glaubt höchstens einige hundert Priester – gewillt, die Messe im klassischen Ritus zu lesen.

Zur Begründung verweist der Kirchenfürst auf die Komplexität des Ritus, die zahlreichen Kniebeugen sowie viele Kreuzzeichen über den eucharistischen Gaben.

Die Priester wollten nicht zu strikteren Rubriken – im Meßbuch durch Rotdruck hervorgehobene Handlungsanweisungen für den Priester – zurückkehren:

Wenn er im Alten Ritus zelebriere vergesse auch er häufig, nach der Wandlung Zeigefinger und Daumen geschlossen zu halten. Er sei zu sehr daran gewöhnt, nach der neuen Form der Messe zu zelebrieren.

„Sehr wenige“ Priester würden auch darum zur Alten Messe zurückkehren, weil diese ungebräuchlich geworden sei. Man sehe sie selten und die Leute wären nicht daran gewöhnt.

Schließlich wolle jeder fortfahren, das zu machen, was er immer gewöhnt war, meint Kardinal Medina, obwohl die Alte Messe nach fast zweitausendjähriger Tradition praktisch über Nacht und ohne Widerstand abgeschafft wurde.

Zur Erinnerung: S.E. Kardinal Jorge Arturo Medina Estévez verkündigte als Kardinalprotodiakon 2005 die Wahl S.E. Josef Kardinal Ratzingers zum Papst Benedikt XVI. auf der Loggia des Vatikans.

Foto übernommen aus: www.summorum-pontificum.de/meinung/medina_08.shtml
Text übernommen aus: www.cardinalrating.com/cardinal_63__article_2708.htm
Vered Lavan
✍️ "Schließlich verweist Kardinal Medina auf die verschiedenen Formen der Spiritualität. Sie verdienten alle den Respekt der Kirche. Diese Verschiedenheit stelle keine Bedrohung für die Einheit der Kirche dar, sondern vielmehr einen Reichtum." (Zitat oben). -- Der Reichtum der Einen Heiligen Apostolischen Katholischen Kirche ist ein wunderbares Geschenk Gottes.