Franz Kalwoda

Abtreibungsüberlebende

Abtreibung betrifft nicht nur das ungeborene Kind, sondern lässt auch Mütter und Väter früher oder später unter den Folgen leiden. Fast gänzlich unbekannt ist jedoch, dass Abtreibung bei Kindern, die direkt oder indirekt davon betroffen waren, aber überlebt haben (Abtreibungsüberlebende), langfristige psychische Spuren hinterlässt.

Im Buch „Abtreibungsüberlebende“ von Philip G. Ney und Marie A. Peeters-Ney werden elf Typen von Abtreibungsüberlebenden beschrieben. Einige davon sollen hier erwähnt werden:


• Kinder, die nach einem „Abtreibungsversuch“ doch geboren wurden.
• Kinder, deren Eltern während der Schwangerschaft eine Abtreibung ernsthaft erwogen hatten, es aber letztlich nicht dazu kam.
• Kinder, die Geschwister durch Abtreibung verloren haben.
• Kinder, die in Ländern mit hohen Abtreibungszahlen geboren wurden und somit eine hohe statistische Wahrscheinlichkeit hatten, abgetrieben zu werden.

Eine kurze Aufzählung von Konflikten und Symptomen, die als Folgeerscheinungen bei Abtreibungsüberlebenden auftreten:

Schuldgefühle darüber, zu leben

Existenzängste

Bindungsprobleme in der Ursprungsfamilie und im späteren Leben

Misstrauen

Missachtung von Autorität

Chronisches Unglücklichsein

Abneigung gegenüber Kindern

Der Eindruck, dass das eigene Leben vom „Erwünschtsein“ abhängt.

Vor diesem Hintergrund erscheint Abtreibung nicht nur als individuelles oder medizinisches Ereignis, sondern als tiefgreifender Einschnitt in das menschliche Leben. Die in Literatur und in klinischen Beobachtungen beschriebenen psychischen und familiären Folgewirkungen zeigen eine weitreichende Verletzung der menschlichen Beziehungsstruktur, die Mutter, Vater, das familiäre Umfeld sowie die gesamte gesellschaftliche Ordnung betreffen.

Damit bleibt die zentrale Forderung bestehen: die Achtung der Menschenwürde in jeder Phase des Lebens sowie die Sensibilität gegenüber den oft unsichtbaren Folgen tiefgreifender moralischer Entscheidungen für den Einzelnen, für Familien und für die Gesellschaft als Ganzes.

Diese Perspektive verweist auch auf gesellschaftliche Wirkzusammenhänge: Abtreibung hat nicht nur individuelle oder familiäre Folgen, sondern ist auch auf gesellschaftlicher Ebene wirksam. Dies zeigt sich in ausgeprägten Formen von Verrohung, Egozentriertheit, Depression, Aggression, emotionaler Abstumpfung, sozialer Entfremdung sowie zunehmende Sinn- und Beziehungsunsicherheit und weiteren auffälligen psychosozialen Verhaltensmustern. Diese Entwicklungen spiegeln die kulturellen Veränderungen von menschlichem Leben, Verantwortung und Mitmenschlichkeit wider.

Persönliche Berichte Überlebender der Abtreibung finden Sie im vollständigen Artikel unter: vita-et-veritas.com
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