Die Geburt Jesu nach den Mystischen Visionen der Seligen Anna Katharina Emmerich
Tauchen Sie ein in die außergewöhnlichen Visionen der Seligen Anna Katharina Emmerick, der deutschen Augustinerin, die die Stigmata empfing und die Geheimnisse des Lebens Christi in erstaunlicher Detailtreue miterlebte. Durch ihre kirchlich anerkannten Privatoffenbarungen können wir das Weihnachtsgeschehen mit neuen Augen betrachten: die beschwerliche Reise nach Betlehem, die Suche nach einer Unterkunft, die wundersam erleuchtete Höhle, die singenden Engel und den erhabenen Augenblick der jungfräulichen Geburt durch die Allerheiligste Jungfrau. Ihre lebhaften Schilderungen laden uns ein, die traditionelle Krippenszene zu transzendieren und das Jesuskind mit der Reinheit und dem Staunen der Hirten anzubeten. Selige Anna Katharina Emmerick, bitte für uns! „Ich sah die Jungfrau, strahlend vor Freude und Demut, wie sie ihren neugeborenen Sohn, Gott selbst, betrachtete.“
Route der Heiligen
Die Geburt des Jesuskindes Ich sah, wie Jospeh am folgenden Tage für Maria in der sogenannten Säughöhle, der Grabhöhle der Amme Abrahams, Maraha genannt, die geräumiger war, als die Krippen höhle, einen Sitz und Lager bereitete. Sie brachte dort einige Stunden zu, während wel cher Joseph die Krippenhöhle mehr ausräumte und besser in Ordnung brachte. Er holte auch aus der Stadt noch mancherlei kleinere Gerätschaften und getrocknete Früchte. Maria sagte ihm, daß in der kommenden Nacht die Stunde der Geburt ihres Kindes ein trete. Es seien dann neun Monate, daß sie vom heiligen Geiste empfangen habe. Sie bat ihn, von seiner Seite alles zu tun, damit sie das von Gott verheißene, übernatürlich empfangene Kind so gut auf Erden ehrten, als sie vermöchten. Er möge auch mit ihr sein Gebet für die Hartherzigen vereinigen, welche ihm keine Herberge hatten gewähren wollen. Joseph bot sich Maria an, ihr einige fromme Frauen aus Bethlehem zum Beistande zu holen, die er kenne; aber Maria nahm es nicht an und erklärte, daß sie niemanden bedürfe. Es war fünf Uhr abends, als Joseph die heilige Jungfrau wieder in die Krippenhöhle zurückbrachte. Hier hängte er noch mehrere Lampen auf; auch versorgte er unter dem Obdache vor der Tür die freudig aus dem Felde herbeigeeilte Eselin. Als Maria ihm sagte, es nahe ihre Zeit, er möge sich zum Gebet begeben, verließ er sie und ging nach seinem Schlafraume zurück, um zu beten. Er sah noch einmal, ehe er in sein Kämmerchen eintrat, nach dem Hintergrund der Höhle zurück, wo Maria ihm den Rücken kehrend kniend auf ihrem Lager betete, das Angesicht nach Morgen gewendet. Er sah die Höhle voll Licht, es war Maria ganz wie von Flammen umgeben. Es war, als sehe er wie Moses in den brennenden Dornbusch hinein. Er sank aber betend auf sein Angesicht und sah nicht mehr zurück. Ich sah den Glanz um Maria immer größer wer den. Die Lichter, welche Joseph angesteckt hatte, waren nicht mehr zu sehen. Sie kniete in einem weiten, weißen Gewande, das vor ihr ausgebreitet war. In der zwölften Stunde war sie im Gebete entzückt. Ich sah sie von der Erde empor gehoben, daß man den Boden unter ihr sah. Sie hatte die Hände auf der Brust gekreuzt. Der Glanz um sie vermehrte sich. Ich sah die Decke der Höhle nicht mehr. Es war wie eine Straße von Licht über ihr bis zum Himmel empor, in der ein Licht das andere, und eine Gestalt die andere durchdrang und Lichtkreise in himmlischen Gestalten übergingen. Maria betete aber nieder zur Erde schauend. Da gebar sie das Jesukind. Ich sah es wie ein leuchten des, ganz kleines Kind, das heller war, als der übrige Glanz, auf der Decke vor ihren Knien liegend. Es war mir, als sei es ganz klein und werde vor meinen Augen größer. Es war aber dieses alles eine bloße Bewegung in so großem Glanze, daß ich nicht weiß, ob ich, und wie ich das sah. Selbst die tote Natur war in innerer Bewegung. Die Steine des Bodens und der Wände der Krippenhöhle waren wie lebendig. Maria war noch eine Zeit lang so entzückt, und ich sah sie ein Tuch über das Kind legen und es noch nicht aufnehmen, noch anfassen. Nach einer geraumen Zeit sah ich das -24- Kind sich regen und hörte es weinen. Maria war, als komme sie zu sich. Sie nahm das Kind, mit dem Tuche einhüllend, das sie auf dasselbe gedeckt, an die Brust und saß verschleiert ganz mit dem Kinde eingehüllt, und ich glaube, sie säugte es, und ich sah ganz menschlich gestaltete Engel um sie her auf dem Angesichte liegen. Es mochte wohl eine Stunde nach der Geburt sein, als Maria den heiligen Joseph rief, der noch immer im Gebete lag. Als er ihr nahte, warf er sich in Andacht, Freude und Demut kniend auf sein Angesicht, und Maria bat ihn nochmals, er solle das heilige Geschenk des Himmels ansehen. Da nahm er das Kind auf seine Arme. Die heilige Jungfrau wickelte nun das Jesuskind in eine rote und darüber in eine weiße Hülle bis unter die Ärmchen und nach oben in ein anderes Tüchlein. Sie hatte nur vier Windeln bei sich. Sie legte es hierauf in die Krippe, welche mit Binsen und anderen feinen Pflanzen gefüllt und worüber eine Decke an den Seiten überhängend gebreitet war. Die Krippe stand über dem Steintrog, der ebener Erde lag rechts vom Gange in die Höhle, da, wo sie einen weiteren Ausbug gegen Mittag machte. Der Grund dieses Teiles der Höhle lag mit stufenförmig sich abschiefernden Boden etwas tiefer, als der andere Teil, wo das Kind war geboren worden. Als sie das Kind in die Krippe gelegt, standen sie beide weinend und lobsingend dabei. Die heilige Jungfrau hatte ihr Lager und ihren Sitz neben der Krippe. Ich sah sie aufrecht sitzen und auch an der Seite liegen in den ersten Tagen. Doch sah ich sie auf keine Art besonders krank oder erschöpft. Sie war vor und nach der Geburt ganz weiß gekleidet. Wenn die Leute zu ihr kamen, saß sie meist neben der Krippe und war mehr eingewickelt. Es entsprang in der Nacht der Geburtsstunde eine schöne Quelle in der anderen, rechts gelegenen Höhle, welche herauslief und welcher Joseph am folgenden Tage einen Lauf und Brunnen grub. Ich habe zwar in diesen Gesichten, welche das Ereignis selber und nicht die kirchliche Festfeier zum Gegenstand hatten, keine solche schimmernde Freudigkeit in der Natur gesehen, wie ich es sonst in der heiligen Weihnacht sehe, wo diese Lust eine innere Bedeutung hat; aber ich sah doch eine ungewohnte Freude und an vielen Orten bis in die fernsten Gegenden der Welt etwas Ungewöhnliches in der Mitternacht, das viele gute Menschen mit freudiger Sehnsucht und böse mit Angst erfüllte. Auch sah ich viele Tiere freudig bewegt, viele Quellen entspringen und anschwellen, an vielen Orten sich Blumen erheben, Kräuter und Blumen wie Erquickung schöpfen und duften. In Bethle hem war es trübe und am Himmel ein trübes rötliches Licht. Auf dem Tale der Hirten aber, um die Krippe und in dem Tale der Säughöhle lag ein erquickender glänzender Taunebel. Ich sah die Herden bei dem Hügel der drei Hirten - Ältesten unter Schuppen; an dem ferneren Turme der Hirten aber teilweise noch unter freiem Himmel. Ich sah die drei Hirten - Ältesten von der wunderbaren Nacht bewegt zusammen vor ihrer Hütte stehen und umherschauen und einen herrlichen Glanz über der Krippe erblichen. Auch die Hirten bei dem entfernteren Turme waren in voller Bewegung. Sie waren auf das Turmgerüst gestiegen und sahen nach der Krippe hin, über welcher sie einen Glanz -25- bemerkten. Ich sah, wie eine Lichtwolke zu den drei Hirten niederkam. Ich bemerkte in derselben auch ein Übergehen und Verwandeln in Formen und hörte die Annäherung eines süßen, lauten und doch leisen Gesanges. Die Hirten erschraken anfangs; aber es standen bald fünf oder sieben leuchtende liebliche Gestalten vor ihnen, welche ein gro ßes Band wie einen Zettel in den Händen trugen, worauf Worte mit handlangen Buch staben geschrieben waren. Die Engel sangen das Gloria. Denen am Turme erschienen sie auch, und ich weiß nicht mehr, wo sonst. Die Hirten sah ich nicht augenblicklich zur Krippe eilen, wohin die drei ersten wohl eine und eine halbe Stunde hatten, und die am Turme der Hirten wohl noch einmal so weit. Aber ich sah sie sogleich bedenken, was sie dem neugeborenen Heilande zum Geschenk mit bringen wollten, und so schnell als möglich diese Geschenke zusammen suchen. Die drei Hirten kamen schon am frühen Morgen zur Krippe. Ich sah, daß in dieser Nacht Anna in Nazareth, Elisabeth in Juta, Hanna und Simeon am Tempel Gesichte und Eröffnungen von der Geburt des Heilandes hatten. Das Kind Johannes war unbeschreiblich froh. Nur Anna wußte wo das neugeborene Kind war; die anderen und selbst Elisabeth wußten zwar von Maria und sahen sie im Gesichte, aber sie wußten nichts von Bethlehem. Im Tempel sah ich eine wunderbare Sache. Es wurden die Schriftrollen der Sadduzäer mehrmals aus ihren Behältern geschleudert. Es entstand großer Schrecken darüber. Sie schrieben es der Zauberei zu und zahlten vieles Geld, um es verschwiegen zu halten. Ich sah, daß in Rom über dem Fluß in einer Gegend, wo viele Juden wohnten, eine Quelle wie Öl entsprang, und daß alles in großer Verwunderung war. Auch platzte, als Jesus geboren war, eine prächtige Statue des Götzen Jupiter, worüber alles im Schrecken war. Sie opferten und fragten ein anderes Götzenbild, ich meine die Venus, und der Teufel mußte aus ihr sagen: „Es ist dieses, weil eine Jungfrau ohne Mann einen Sohn empfangen und geboren hat.“ Sie sagte ihnen auch das Wunder vom Ölbrunnen. Wo dieser war, ist jetzt eine Mutter-Gottes-Kirche. Ich sah aber, daß die Götzenpriester über das Ereignis sehr bestürzt waren, und sie schlugen in Rollen folgende Geschichte nach. Sie hatten vor etwa siebzig Jahren dieses Götzenbild sehr prächtig mit Gold und Edelsteinen verziert und hatten großen Spektakel und Opfer damit. Es war aber in Rom damals eine ganz gute, fromme Frau, sie lebte von ihrem Vermögen. Ich weiß nicht recht, ob sie nicht eine Jüdin war. Sie hatte Gesichte und mußte weissagen, sie sagte auch manchmal Leuten von der Ursache ihrer Unfruchtbarkeit. Diese Frau hatte sich öffentlich verlauten lassen, sie sollten den Götzen nicht so kostbar verehren, er werde einst mitten auseinander bersten. Sie wurde deswegen eingezogen und so lange ge peinigt, bis sie von Gott die Weisung erbetet hatte, wann dieses geschehen würde; denn das wollten die Götzenpriester von ihr wissen. Da sagte sie endlich: „Das Bild werde zerbrechen, wenn eine reine Jungfrau einen Sohn gebären werde.“ Als sie dieses gesagt, lachte man sie aus und entließ sie als eine Närrin. Nun erinnerten sich die Leute daran und sahen, daß sie Recht gehabt. Ich habe auch gesehen, daß die Bürgermeister -26- von Rom, wovon einer Lentulus hieß und von dem Freunde des heiligen Petrus in Rom und von dem Märtyrer-Priester Moses ein Vorfahr war, sich von diesem Ereignisse unterrichten ließen und auch von dem Ölbrunnen. Den Kaiser Augustus sah ich in dieser Nacht auf dem Kapitol, wo er die Erscheinung eines Regenbogens mit dem Bilde der Jungfrau und des Kindes hatte. Von dem Orakel, das er befragen ließ, empfing er den Ausspruch: „Es ist das Kind geboren, dem wir alle weichen müssen.“ Darauf ließ er dem Sohne der Jungfrau als dem „Erstgeborenen Gottes“ einen Altar erbauen und opfern. In Ägypten sah ich auch ein Bild, es war weit hinter Matarea, Heliopolis und Memphis. Da war ein großer Götze, der sonst allerlei Aussprüche tat. Der ward auf einmal stumm, und der König befahl im ganzen Lande, große Opfer zu tun. Da mußte der Götze auf Gottes Befehl sagen: „Er schweige und müsse weichen, weil der Sohn von der Jung frau geboren sei, und es würde ihm hier ein Tempel errichtet werden.“ Der König wollte ihm dann einen Tempel daneben errichten. Ich weiß die Geschichte nicht mehr recht. Es kam aber der Götze fort und ein Tempel der Jungfrau mit dem Kinde hin, die er verkün det und die dann auf heidnische Weise verehrt wurde. Im Lande der heiligen Könige sah ich ein großes Wunder. sie hatten auf einem Berge einen Turm, wo sich abwechselnd immer einer von ihnen mit mehreren Priestern auf hielt, um die Sterne zu beobachten. Was sie in den Sternen sahen, schrieben sie auf und teilten es einander mit. In dieser Nacht waren zwei der Könige hier, Mensor und Sair. Der dritte, welcher gegen Morgen des Kaspischen Meeres wohnte und Theokeno hieß, war nicht dabei. Es war ein bestimmtes Sternbild, nachdem sie immer schauten und dessen Veränderungen sie beobachteten. Sie empfingen dabei Gesichte und Bilder am Himmel. So auch in der heutigen Nacht und zwar in mehreren Veränderungen. Es war nicht ein Stern, in dem sie das Bild sahen, es waren mehrere Sterne in einer Figur und es war eine Bewegung in den Sternen. Sie sahen einen schönen, farbigen Bogen über dem Bild des Mondes, auf dem sie eine Jungfrau saß. Das linke Bein hatte sie in sitzender Stellung, das rechte hing mehr gerade herunter und stand auf dem Monde. Auf der linken Seite der Jungfrau erschien über dem Bogen ein Weinstock, auf der rechten ein Bündel Ähren. Vor der Jungfrau, sah ich die Gestalt eines Kelches, wie der beim heiligen Abendmahle, erscheinen oder heller aus ihrem Glanze hervortreten. aus dem Kelche stieg ein Kind empor und über dem Kinde erschien eine helle Scheibe, wie eine leere Monstranz, aus der Strahlen wie Ähren ausgingen. Ich hatte den Begriff des Sakramentes dabei. Zur Linken der Jungfrau stieg eine achteckige Kirche mit einem goldenen Tore und zwei kleinen Seitentüren empor. Die Jungfrau bewegte mit der rechten Hand Kind und Hostie in die Kirche, die währenddessen sehr groß wurde und in der ich die heiligste Dreifaltigkeit erblickte. Über der Kirche erhob sich ein Turm. Die gleichen Bilder hatte auch Theokeno, der dritte der Könige in seiner Heimat. Über dem Haupte der auf dem Bogen sitzenden Jungfrau stand ein Stern, der plötzlich aus seiner Stellung heraus und vor ihnen am Himmel hinschwebte. Und sie empfingen -27- dabei wie sonst nie, eine Stimme und Verkündigung, daß die Geburt des von ihnen und ihren Voreltern schon so lange erwarteten Kindes in Judäa nun eingetreten sei und daß sie dem Sterne folgen sollten. Schon in den letzten Tagen vor der heiligen Nacht hatten sie von ihrem Turme aus allerlei Bilder am Himmel gesehen, und wie Könige zu dem Kinde zogen und es verehrten. Darum nahmen sie jetzt ohne Säumen ihre Schätze zu sammen und machten sich mit Gaben und Geschenken auf die Reise. Sie meinten, sie wollten nicht die letzten sein. Ich sah, daß nach wenigen Tagen alle drei auf dem Wege zusammentrafen. Ich sah, daß das Jahr der Welt 3997 noch nicht voll war, als Jesus geboren wurde. Die nicht vollen vier Jahre von seiner Geburt bis zum Schlusse des vierten Jahrtausends hat man nachher ganz vergessen und dann vier Jahre später unsere neue Jahreszahl angefangen. Christus ist also nicht ganz volle acht Jahre früher, als unsere Zeitrechnung geboren. Der eine Konsul in Rom hieß damals Lentulus, er war ein Vorfahre des Märtyrers und Priesters Moses, dessen Reliquie hier bei mir ist, und der zur Zeit des heiligen Cyprian lebte; von ihm stammte auch jener Lentulus in Rom, der dort ein Freund des heiligen Petrus war. Christus ist im 45 Jahre des Kaisers Augustus geboren. Herodes hat überhaupt bis zu seinem Tode vierzig Jahre regiert. Sieben Jahre war er zwar noch abhängig, aber quälte das Land schon sehr und übte viele Grausamkeiten aus. Er ist ungefähr im sechsten Lebensjahre Christi gestorben. Ich meine sein Tod ist eine Zeit lang verheimlicht worden. Er ist gräßlich gestorben und hat in seiner letzten Zeit noch mancherlei Mord und Elend veranlaßt. Ich sah ihn in einer großen mit Kissen ausgepolsterten Stube herumkriechen. Er hatte einen Spieß bei sich und wollte nach den Menschen, die ihm nahten, stechen. Jesus wird ungefähr in seinem 34. Regierungsjahre geboren sein. Zwei Jahre vor dem Eintritt Mariä in den Tempel. hat Herodes am Tempel bauen lassen. Es war kein neuer Tempelbau, es wurde nur hie und da einiges verändert und verschönert. Die Geburt Christi geschah in einem Jahre, in welchem die Juden 13 Monate zählten. Es war dies wohl so eine Einrichtung, wie mit unseren Schaltjahren. Ich meine auch, daß die Juden zweimal im Jahre Monate von 21 und 22 Tagen hatten. Ich sah auch, wie verschiedene Male einiges an ihrem Kalender verändert worden ist. Es war nach dem Ausgange einer Gefangenschaft, als man auch am Tempel baute. Ich glaube, Christus ist im Monat Casleu geboren; daß es aber gerade einen Monat früher geschah, als es in der Kirche gefeiert wird, das kommt, weil einmal bei einer Kalenderveränderung einige Zeiten und Tage ganz ausgelassen worden sind. Ich habe das sehr gut gesehen, kann es aber nicht mehr ordentlich wiederbringen. Anbetung der Hirten, Andächtige Besuche kommen zur Krippe In der Morgendämmerung nach der Geburt kamen die drei Hirten-Ältesten mit Geschen ken, welche sie zusammen geholt hatten, zu der Krippenhöhle, Ihre Geschenke bestan den in kleinen Tieren, die eine Ähnlichkeit mit Rehen hatten. Sie hatten lange Hälse, -28- klare schöne Augen und waren sehr fein und schnell. Die Hirten führten sie an feinen Fäden neben und hinter sich. Sie trugen auch lebende größere Vögel unter dem Arme und hatten geschlachtete über die Schultern hängen. Am Eingange der Krippenhöhle sagten sie Joseph, was ihnen der Engel verkündigte, und wie sie kämen, das Kind der Verheißung zu verehren und zu beschenken. Joseph nahm ihre Geschenke an, und ließ sie die Tiere in den Kellerraum neben der Seitentür der Krippenhöhle bringen. Dann führte er sie zu der heiligen Jungfrau, die neben der Krippe an der Erde auf der Decke saß und das Jesuskind vor sich auf dem Schoße hielt. die Hirten warfen sich, ihre Stäbe im Arme haltend, auf die Knie, weinten vor Freude und blieben lange da in großer Süßigkeit; dann sangen sie den Lobgesang der Engel und einen Psalm, den ich vergessen habe. Als sie Abschied nahmen, gab ihnen die heilige Jungfrau noch das Kind auf die Arme. Am Abend kamen noch andere Hirten mit Frauen und Kindern und brachten Ge schenke. Sie sangen vor der Krippe sehr liebliche Psalmen, das Gloria und kurze Verse. Ich erinnere mich noch der Worte: „O Kind wie bist du so rosenrot! Gleichwie ein Herold trittst du hervor!“ Sie brachten Vögel, Eier, Honig und verschiedenfarbiges Gespinnst und Bündel roher Seide; auch Ährenbüschel mit großen Körnern von einem großblättri gen, binsenartigen Gewächse. Die drei Hirten-Ältesten kehrten abwechselnd wieder und halfen Joseph, alles an der Krippenhöhle umher bequemer einrichten. Auch sah ich mehrere fromme Frauen bei der heiligen Jungfrau, welche ihr Dienste erwiesen. Sie wa ren Essenerinnen und wohnten nicht weit von der Krippenhöhle an dem Talgrunde in kleinen Felsenzellen nebeneinander. Sie hatten kleine Gärtchen bei ihrer Wohnung und unterrichteten Kinder ihrer Versammlung. Der heilige Joseph hatte sie gerufen, er kannte diese Genossenschaft von Jugend auf; denn, wenn er vor seinen Brüdern in der Krippenhöhle verbarg, hat er auch diese frommen Frauen an der Felsenwand besucht. sie kamen abwechselnd zu der heiligen Jungfrau, trugen kleine Bedürfnisse und Holz bündelchen zu und kochten und wuschen für die heilige Familie. Einige Tage nach der Geburt sah ich ein rührendes Bild in der Krippenhöhle. Joseph und Maria standen bei der Krippe und schauten das Jesukind mit großer Innigkeit an; da warf sich der Esel plötzlich auf die Knie und drückte den Kopf ganz an die Erde. Maria und Joseph weinten. Wieder sah ich Maria an der Krippe stehen. Sie sah auf ihr Kind und hatte die tiefe Empfindung, es komme auf die Welt, um zu leiden. Ich gedachte da bei eines früher empfangenen Bildes, in welchem mir gezeigt wurde, wie Jesus schon im Mutterschoße und von seiner Geburt an gelitten hat. Ich sah nämlich unter dem Herzen Mariä eine Glorie und in dieser ein hell leuchtendes Kind. Und indem ich es ansah, war es, als schwebe Maria darüber und umgebend darum, und ich sah das Kind wachsen und sah alle Peinen und Kreuzigung an ihm vollziehen. Es war ein schrecklich trauriger Anblick: ich weinte und ächzte laut. Ich sah es von an deren Gestalten schlagen, stoßen, geißeln, krönen, das Kreuz auflegen, ans Kreuz na geln, in die Seite stechen; ich sah das ganze Leiden Christi an dem Kinde, es war ein -29- schrecklicher Anblick. Und als das Kind am Kreuze hing, sagte es zu mir: „Dieses habe ich gelitten schon von meiner Empfängnis an bis in mein vierunddreißigstes Jahr, da es äußerlich vollendet war.“ Der Herr starb, da Er dreiunddreißig Jahre und drei Monate alt war. Gehe hin und verkündige es den Menschen! Wie soll ich aber das den Menschen verkündigen? Ich sah ihn auch als das neugeborene Kind und sah, wie viele Kinder, welche an die Krippe kamen, daß Jesuskind mißhandelten. Die Mutter Gottes war nicht zugegen, es zu schützen. Die Kinder kamen mit allerlei Arten von Ruten und Peitschen und schlugen ihm ins Gesicht, daß es blutete, und es hielt noch sich freundlich wehrend die Händchen vor, und die kleinsten Kinder schlugen boshaft darauf. Einigen wickelten und drehten die Eltern die Ruten selbst dazu zurecht. Sie kamen mit Dornen, Nesseln, Peitschen, Stöck chen aller Art jedes hatte seine Bedeutung. Eines kam mit ganz dünner Rute, wie mit einem Halm, und als es recht darauf losschlagen wollte, knickte der Halm und fiel auf es selbst. Ich kannte mehrere der Kinder; andere prahlten mit überflüssigen Kleidern; ich zog sie ihnen aus und klopfte einige tüchtig durch. Als Maria noch vor der Krippe in Betrachtung standen, nahten Hirten mit ihren Frauen. Es waren fünf Personen. Um ihnen Raum zu machen, daß sie zur Krippe könnten, räumte ihnen die heilige Jungfrau den Platz und ging nach der Stelle wo sie geboren hatte. Die Leute beteten nicht eigentlich an; aber sie schauten tief und bewegt auf das Kind, und ehe sie schieden, beugten sie sich darauf nieder, als küßten sie es. Es war Tag, Maria saß auf ihrer gewöhnlichen Stelle und das Jesuskind lag gewickelt mit freien Händen und Antlitz auf ihrem Schoße. Sie hatte etwas wie Leinenzeug in den Händen, welches sie ordnete und bereitete. Joseph war im Eingang an der Feuerstelle auch etwas bereitend oder zurüstend wie ein Gestelle, um Geräte darauf aufzuhängen. Ich stand neben dem Esel. Nun kamen drei bejahrte Essenerfrauen; sie wurden ganz vertraulich empfangen. Maria stand nicht auf. Sie brachten ziemlich viele Geschenke: kleine Früchte, auch entengroße Vögel mit roten pfriemförmigen Schnäbeln bei den Flü geln getragen, auch länglich runde zolldicke Brötchen, Leinen und anderes Zeug. Alles ward mit ungemeiner Demut und Dank angenommen. Sie waren sehr still und innig. Sie sahen gerührt auf das Kind nieder; aber berührten es nicht und gingen dann wieder ohne vielen Abschied und Begleitung. Ich besah mir unterdessen den Esel recht genau. Er hatte einen sehr breiten Rücken, und ich dachte noch: „Du liebes Tier hast schon vieles getragen.“ Ich wollte auch fühlen, ob es ganz gewiß wahr sei, und fühlte an sei nem Haare; das fühlte ich ganz sanft wie Seide. Einmal kamen zwei Matronen mit drei etwa achtjährigen Mägdlein. Sie schienen vornehmer, fremder und mehr auf einen wunderbaren Ruf als die vorigen gekommen. Joseph empfing sie sehr demütig. Sie brachten Geschenke mehr von innerem Werte und kleinerem Umfange; Körner in einer Schale, kleine Früchte, auch ein aufgestelltes Häufchen von dreieckigen dicken Goldplättchen, auf welche ein Stempel eingeschlagen war, wie ein Petschaft. Ich dachte noch: „Recht wunderbar, das sieht aus, wie das Auge Gottes abgebildet wird. Nein! wie -30- kann ich das Auge Gottes mit der roten Erde vergleichen!“ Maria stand auf und gab ihnen das Kind auf die Hände. Sie hatten es beide eine kleine Zeit und beteten schweigend mit erhobenem Gemüte, küßten es auch. Die drei Mädchen waren still und gerührt. Joseph und Maria sprachen mit ihnen, und als sie weggingen, begleitete sie Jospeh ein Stückchen Weges. Ach, wer wie diese Frauen die Schönheit, die Reinheit und arglose Tiefe Mariä sehen könnte! Sie weiß alles! Ihre Demut aber ist sich des Einzelnen wie nicht bewußt. Kindlich schlägt sie die Augen nieder; und so sie anblickt, geht ihr Blick wie ein Strahl, wie die Wahrheit, wie ein unbeflecktes Licht durch und durch. Das ist aber, weil sie ganz rein, ganz unschuldig, voll des Heiligen Geistes und ohne Absicht ist. Niemand kann diesem Blicke widerstehen. Diese Leute waren wie heimlich gekommen, alles Aufsehen in der Stadt vermeiden. Sie schienen wenigstens einige Meilen Weges hergekommen, Jospeh war bei solchen Be suchen immer sehr demütig, zog sich zurück und schaute von ferne um die Ecke. Ich sah auf die Magd Annas mit einem alten Knechte von Nazareth her zur Krippe kom men. Sie war eine Witwe und der heiligen Familie verwandt. Sie brachte von Anna aller lei Bedürfnisse mit und blieb bei der heiligen Jungfrau. Der alte Knecht weinte Freuden tränen und kehrte wieder zurück, um Anna Botschaft zu bringen. Tags darauf sah ich die heilige Jungfrau mit dem Jesuskinde und der Magd auf einige Stunden die Krippenhöhle verlassen. Aus der Türe heraustretend wendete sie sich unter dem Obdache rechts und verbarg sich nach einigen Schritten in der Seitenhöhle, in wel cher bei Christi Geburt die Quelle entsprungen war. Sie verweilte an vier Stunden in dieser Höhle. Es kamen nämlich Männer aus Bethlehem als Spione des Herodes, weil durch die Reden der Hirten das Gerücht verlautete, es sei dort ein Wunder mit einem Kinde geschehen. Ich sah, daß diese Männer einige Reden mit dem heiligen Joseph wechselten, welche sie vor der Krippenhöhle antrafen, und daß sie ihn mit vornehmen Lächeln verließen. Die Krippenhöhle liegt eigentlich sehr angenehm und ruhig. Es kommt niemand aus Bethlehem hierher, nur die Hirten haben hier ihren Verkehr. Man bekümmerte sich überhaupt in Bethlehem jetzt nicht viel darum, was hier außen geschieht; denn es ist dort wegen der vielen Fremden ein großes Gedränge und Getriebe. Es wird dort sehr vieles Vieh verkauft und geschlachtet, weil viele Leute ihre Steuer mit Vieh bezahlten; auch sind viele Heiden dort, die als Knechte dienen. Das Wunder der Engelerscheinung bei den Hirten ist aber unter den Bewohnern der nahen und entfernten Gebirgstäler schnell bekannt geworden und dadurch auch die Ge burt des Kindes in der Krippenhöhle. Darum kamen nach und nach die Herbergsleute, bei denen die heilige Familie auf ihrer Reise eingekehrt war, herbei, um zu ehren, was sie unerkannt bewirtet hatten. Ich sah, daß der freundliche Wirt aus der letzten Herberge zuerst einen Knecht mit Geschenken schickte und dann selber kam, das Kind zu verehren. Auch die gute Frau jenes Mannes, der so grob gegen Joseph gewesen, sah ich zur Krippe kommen und andere Hirten und gute Leute, welche sehr gerührt waren. -31- Alle waren in Feierkleidern und gingen zum Sabbat nach Bethlehem. Die gute Frau hätte näher nach Jerusalem gehabt, aber sie kam doch hierher nach Bethlehem. Ein Verwandter Josephs, der Vater jenes Jonadab, welcher bei der Kreuzigung Jesu ein Tuch darreichte, ist zum Sabbat gehend auch zur Krippe gekommen. Joseph war ganz gut mit ihm. Der Verwandte hatte durch Leute seines Ortes von der wunderbaren Lage Josephs gehört und kamen, ihn zu beschenken und das Jesuskind und Maria zu besu chen. Joseph nahm aber nichts an und verpfändete ihm seine Eselin mit der Bedingung, gegen das empfangene Geld sie wieder einlösen zu können. Darnach feierten Maria, Jospeh, die Magd und zwei Hirten, welche vorne im Gange standen, den Sabbat, in der Krippenhöhle. Es brannte eine Lampe mit sieben Dochten und auf einem weiß und rot bedeckten Tischchen lagen die Gebetsrollen. Die vielen Eßwaren, welche die Hirten zum Geschenke brachten, wurden an die Armen verteilt und zur Bewirtung anderer verwendet. Die Vögel wurden am Spieße ins Feuer gehalten und abwechselnd mit dem Mehle der Körner einer schilfartigen Pflanze be streut, welche um Bethlehem und Hebron sehr häufig ist. Aus den Körnern wurde auch ein glänzend weißer Schleim bereitet und Kuchen gebacken. Unter der Feuerstelle sah ich ganz heiße und reine Löcher, worin auch Vögel gebraten wurden. Nach dem Sabbat bereiteten die Essener-Frauen ein Mahl unter der Laubhütte, welche Joseph mit den Hirten vor dem Eingange der Höhle aufgerichtet hatte. Joseph ging in die Stadt, um Priester zur Beschneidung zu holen. In der Krippe wurde alles aufge räumt. Der von Joseph in dem Gange gemachte Abschlag wurde entfernt und der Bo den mit Decken belegt; denn in diesem Gange nahe bei der Krippenhöhle selber war der Festort.
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