SÖDER, DER KÖNIGMÖRDER:
Der Königmörder trägt heute keinen Dolch mehr.
Er trägt eine Pressekonferenz und lächelt dabei so unschuldig, als habe er nur kurz den Wetterbericht vorgelesen.
In Bayern nennt man das „klare Trennung“.
In Berlin nennt man es „Verrat“.
Im Rest der Republik heißt es schlicht: Jetzt wird es interessant.
Friedrich Merz hat sich an die bequemste Wahrheit gekettet, nämlich an die eigene.
Er stellte sich vor Wolfram Weimer, als könne ein einziger Satz die Wirklichkeit ausradieren.
Er erklärte mit jener Endgültigkeit, die man sonst nur von schlechten Hausverwaltungen kennt, es werde nichts verkauft und alle Vorwürfe seien falsch.
Damit war der Kanzler nicht Verteidiger, sondern Geisel.
Denn wer sich so festlegt, hat später keinen Rückwärtsgang mehr, nur noch den freien Fall.
Markus Söder, der Wendehals, der Mann mit dem eingebauten Seismographen für kippende Stimmungen, hat diesen Moment gerochen wie ein Jäger den Wind.
Er zog am 12. Januar öffentlich die Reißleine.
Er nahm dem Ludwig Erhard Gipfel die bayerische Schirmherrschaft, sagte Teilnahme und Staatsempfang ab und legte den Satz nach, der in der Politik tödlicher ist als jede Anklageschrift: Er wolle kein Geschmäckle entstehen lassen.
Strafrechtlich sei nichts zu beanstanden, sagte er.
Aber es gebe eine Grauzone, und genau in dieser Grauzone wächst in Deutschland seit Jahren der Filz wie Schimmel im Altbau.
Das ist die Eleganz des Königmörders.
Er schlägt nicht frontal, er öffnet nur ein Fenster, und plötzlich zieht es.
Merz hatte die Kritik an Weimer als Kampagne von rechts abgeräumt.
Söder räumt diese Erzählung ab, indem er die Sache zur Geschmacksfrage macht.
Damit fällt die Schutzmauer, hinter der sich die Minister noch am Tegernsee warmhalten wollten.
Wer gestern noch geschniegelt auf der Gästeliste stand, findet heute „terminliche Überschneidungen“, „dienstliche Verpflichtungen“ oder behauptet, nie endgültig zugesagt zu haben.
Der Königmörder muss nicht einmal ein Schwert ziehen.
Er reicht eine Serviette, und die anderen wischen sich hektisch die Fingerabdrücke ab.
Denn in Berlin ist Absage kein Terminproblem, sondern eine Standortbestimmung.
Und jedes Fernbleiben ist ein stilles Urteil über den, der bleibt.
Man darf dabei nicht so tun, als ginge es nur um einen Tegernseer Jahrmarkt der Eitelkeiten.
Es geht um das Grundmuster einer Union, die sich, statt zu führen, an Amigos bindet und dann überrascht wirkt, wenn die Bindung zur Schlinge wird.
Merz wollte Stärke zeigen, indem er einen Gefallenen stützt.
Er merkte zu spät, dass er sich nicht vor Weimer stellte, sondern unter ihn.
Und Söder, der seit Jahren bei jeder Kanzlerfrage wirkt wie ein Mann, der zufällig schon die Garderobe gewechselt hat, erkennt die Mechanik.
Der Zweite hinter dem König wartet nicht, bis der König wieder stabil steht.
Er wartet, bis der König stolpert, und dann legt er nicht das Bein, er zieht einfach den Teppichrand glatt, damit der Sturz sauber aussieht.
Das ist Machtpolitik im Flutlicht, geschniegelt, protokolliert, mit der Miene eines Ministerpräsidenten, der nur „Ordnung“ herstellen will.
Einmal Königmörder, immer Königmörder, weil es nie um die Person geht, sondern um das Amt.
Heute heißt der Thron Berlin.
Morgen heißt er Kanzlerkandidatur.
Übermorgen heißt er: Ich war es nicht, ich habe nur getrennt, sauber getrennt, ökonomisch und politisch.
So wird aus moralischer Hygiene ein politischer Messerstich, der sich als Desinfektionsspray tarnt.
Merz glaubte, er könne Kritik delegitimieren, indem er sie etikettiert.
Nun merkt er, dass Etiketten nicht tragen, wenn der Karton unten aufreißt.
Söder dagegen delegitimiert nicht.
Er legitimiert, indem er sich absetzt, und plötzlich sieht jeder, dass Absetzen in der Politik die härteste Form von Urteil ist.
Der Königmörder ist nicht der, der den König stürzt.
Der Königmörder ist der, der im richtigen Moment sagt:
Ich komme nicht.
Egal Merz hat es verdient und Söder taugt auch nicht...
Gruß M.M.
Josef69 Wa teilt das