M.RAPHAEL

Alle Menschen sind doch irgendwie gut

Heute hält sich jeder Mensch für irgendwie gut. Man ist nicht schlecht. Manchmal tut man Dinge, die sind vielleicht nicht optimal, aber so ist das Leben eben. Alle Menschen sind gut und weniger gut. Hauptsache man ist irgendwie cool und einfühlsam. Auch Hollywood propagiert dieses Menschenbild. Ein Beispiel ist John Wick, ein Serienmörder, der aber ein großes Herz hat und auch sehr liebevoll ist.

Dieses Selbstverständnis bezüglich der eigenen Heiligkeit trotz „kleiner“ Bosheiten ist der Grund, warum es für die heutigen Menschen unfassbar ist, dass sie jemals in die Hölle gehen könnten. Da kommen, wenn überhaupt, nur Bösewichte hin. Moderne Weltbürger tun das nicht. Jeder kann Facebook und Twitter. Jeder ist sozial gut drauf. Dann kauft man ein paar Spielzeuge von Amore-lie und bedient die natürlichen Instinkte. Unzucht gibt es nicht mehr. Wenn man depressiv wird, versteht man nicht klar genug, dass man das eigene Lebensglück managen kann, wie alles andere auch. Wenn der Mitmensch nicht mehr funktioniert und keinen Spaß mehr macht, wird er ausgetauscht. Wie gesagt, jeder ist ein guter Kerl, vielleicht kein Heiliger, aber in den Himmel kommt er. Gott versteht einen schon.

Das ist falsch, furchtbar falsch. Ein solcher Mensch findet kein Verständnis vor Gott. Die Frage, die Gott mit der Prüfung auf der Erde stellt, besteht nicht darin, ob der Mensch sich selber für gut hält, sondern ob der Mensch bezüglich des göttlichen Willens gehorsam ist. Adam und Eva waren ganz liebe und umgängliche Menschen. Dennoch wurde sie aus dem Paradies geworfen, weil sie ungehorsam waren. Die Verneinung des göttlichen Willens bedeutet, dass man selber Gott sein will. Es gibt aber nur einen Gott. Jeder geschaffene Gott muss deshalb weg, in das Nicht-Sein der Hölle, da kann er noch so lieb und einfühlsam sein. Es ist wirklich ganz einfach.

Eigentlich wissen das die Menschen. Aber sie mögen es nicht, dass sie in einer ontologischen, von Gott vorgegebenen und objektiven Außenwelt Seine Regeln und Gebote einhalten müssen. Da kam ihnen Descartes gerade recht. Sein „cogito, ergo sum“ hat die Realität in das menschliche Denken hinein verlegt, sie von diesem abhängig gemacht. Ab jetzt ist nur noch real, was der Mensch dafür hält. Mit Kant kann sich der Mensch so von der Leitung Gottes unabhängig erklären. Jetzt ist er aufgeklärt. Jetzt ist er frei, sich mutig seines eigenen Verstandes zu bedienen. Es verwundert nicht, dass gerade Kant wohl ein schlechtes Gewissen hatte und deshalb „gnadenlos“ auf der Pflicht zum Gehorsam bzgl. der Moral (Kategorischer Imperativ) bestand. Aber der wahre Gott war „tot“. Er war nur noch ein Postulat der praktischen Vernunft.

Schon mit Descartes war der Glaube an Gott verleugnet und verdrängt. Das wurde aber erst viel später wirklich bewusst, für die katholische Kirche mit dem Vat.2 Konzil. Spätestens mit diesem wird Gott ein Vorteil, ein Instrument für die persönliche Verwirklichung, das sich der Mensch ausdenkt. Die Realpräsenz wird zum eingepeitschten Postulat, damit das pilgernde Gottesvolk, also die kommunistische Internationale, geführt von der Partei/Konzilskirche, die immer Recht hat, zusammen hält. Dass die Realpräsenz ein Wunder ist, genauso wie die Jungfrauengeburt, wird selektiv verdrängt. Ersteres braucht man, letzteres will man gerade nicht. Das stört den feministischen Weltgeist. Wunder stören insgesamt den menschlichen Machtanspruch, denn, die Realität wird vom denkenden Menschen produziert. Er denkt, es ist. Er denkt sich heilig, er ist heilig. Er denkt sich rein, egal wie er lebt, er ist rein. Maßstab ist er selbst, nicht der wahre Gott. Weil seine natürliche Vernunft aber aufzeigt, dass sie Grenzen des Erkennens hat, wird das menschliche Instrument eingesetzt, das für alles zuständig ist, was über die Vernunft hinausgeht, das GEFÜHL. Das Gefühl entscheidet jetzt über alles, besonders über den Glauben und über die eigene Heiligkeit.

Die Fensterläden (Shutter Island) dieser anthropozentrischen Geisteskrankheit als Folge der Neuzeit sind gegenüber dem wahren Heiligen so verschlossen, dass kaum ein Strahl des Lichtes der Wahrheit noch durchdringen kann. Aber manche tun es, genug, um dem Menschen die Ausrede zu nehmen, er hätte ja gar nichts mehr bemerken können. Vor dem Thron wird er auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren. Das wird nicht akzeptiert werden. Hätte er Herzensdemut gehabt, hätte er den wahren Gott immer schon geliebt, hätte er Seine Strahlen erkannt. Es war immer allein der Wunsch, selber ein Gott zu sein, der ihn in seiner geistigen Umnachtung die Verdrängung des wahren Gott ermöglicht hat, die er für seine Selbstvergötzung gebraucht hat.

Am Ende entscheidet Gott allein über das Schicksal der Seele. Nur Er kennt die innerste Natur einer jeden Beziehung. Aber ohne Gehorsam gegenüber Seinem Willen geht es nicht. Wer Gott sein will, selbst wer wie Gott sein will, muss in die Hölle. Sich lieb und heilig fühlen reicht bei weitem nicht. Gott ist nicht lieb.
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Hl.Rupert

Ein sehr guter Artikel! wenn diese Menschen noch ein Fünkchen Gottesfurcht haben, dann plagt ihnen eines Tages ihr Gewissen, denn wenn sich das Gewissen rührt, dann ist der Mensch machtlos. Das ist ein gutes Zeichen, denn dann könnte er bereit sein zur Umkehr!