bob dylan
„ .. auch der Besitz soll zur Freiheit werden. Das Ziel hat Paulus mit seinem oft angeführten Wort bezeichnet: dahin zu kommen, dass man besitze, ‚als besäße man nicht’ (1 Kor 7, 29-31). Da ist, sobald man sich nichts vormacht, sehr groß und schwer. Von der Bindung der Dinge unabhängig zu werden; wirklich frei von Begehren, Genusssucht, Angst, Neid, Geiz; was man hat, zu haben aus Gottes Hand zu …More
„ .. auch der Besitz soll zur Freiheit werden. Das Ziel hat Paulus mit seinem oft angeführten Wort bezeichnet: dahin zu kommen, dass man besitze, ‚als besäße man nicht’ (1 Kor 7, 29-31). Da ist, sobald man sich nichts vormacht, sehr groß und schwer. Von der Bindung der Dinge unabhängig zu werden; wirklich frei von Begehren, Genusssucht, Angst, Neid, Geiz; was man hat, zu haben aus Gottes Hand zu gebrauchen, wie er will – das ist, klar heraus gesagt, unmöglich. Möglich wird es nur, von Gott her. Man sollte mit dem Pauluswort nicht umgehen, als ob es ein selbstverständlich zu erreichender höherer Grad von Sittlichkeit wäre. Es steht in der gleichen Sphäre menschlicher Unerreichbarkeit, wie das vom christlichen Armsein – wie alles das, was die Seligpreisungen rühmen. Ja, man muss die Frage umkehren:

Ist nur das Besitzen christlich gefährdet? Ganz gewiss nicht, sondern auch der Mangel.

Denn hier wird von der christlichen Armut gesprochen, die um des Reiches Gottes willen und aus der Freiheit des Herzens geübt wird, nicht einfach vom Nichtshaben. Bloßes Entbehren, bloße Einschränkung oder Ertötung der Bedürfnisse kann innerlich veröden. Es kann auch hochmütig machen; einen neuen, besonderen Pharisäismus erzeugen, dem man wünscht, er hätte sich lieber in Erwerb und Besitz gestellt und dort redlich seine Pflicht erfüllt. Ebenso wie es Menschen gibt, welche auf die Ehe verzichten, aber innerlich vertrocknen; hart und überheblich – ja vielleicht, wenn sie ihre Begierden nur unterdrücken, nicht in die Freiheit des echten Opfers heben, zu Heuchlern, zu Gewalttätern gegen sich und andere, zu Feinden des Lebens werden. Ihnen gilt das Wort des heiligen Paulus: ‚Besser heiraten als Glut leiden.’ (1 Kor 7,9). ... Lieber nicht zum Höheren gehören, als dieses auf das eigene Maß herunterzuziehen.“

romano guardini
Arbnor
Genialer Vortrag! 👌