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Hl. Helena (18. August)

Heiligenvita aus:
Alban Stolz, Legende. oder: Der christliche Sternenhimmel, Freiburg i. Br. 1867.


18. August.

Die heilige Helena. † 328.
(Vornehmheit.)

In der heiligen Grabkirche zu Jerusalem wird jeden Abend von den Franziskanern eine Prozession gehalten; sie gehen nämlich in den großen weiten Räumen zu allen Altären und Stellen, an welchen ein christliches Andenken haftet. Dort beten und singen sie Gebete und Lieder, welche sich auf die Bedeutung des Ortes beziehen. In der Tiefe der Kirche, wohin man wie in einen Keller hinabsteigt, ist eine Kapelle der h. Helena geweiht. Wenn die Prozession hieher kommt, so singen die Franziskaner eine lateinische Hymne, welche auf deutsch ungefähr also heißt:

Nun Helena uns loben läßt;
Ihr Herz hält Männermuth umfaßt,
Ihr’ Heiligkeit allhin erglänzt
In einem Ruhme unbegrenzt.

Von Lieb zu ihrem Jesus wund
Sie glühend forscht nach theurem Fund,
Das Kreuz ist es, wornach sie ringt
Und steilauf so zum Himmel dringt.

Mit Fasten sie ihr Fleisch regiert
Und mit dem süße Kreuzholz schürt
Die Andachtsgluth, die auf sie schwingt,
Des Himmels Freuden ihr erringt.

O Jesu Christ, der Starken Kraft,
Die einzig alles Große schafft,
Wir bitten durch ihr’ Fürbitt’ dich,
Erhör’ uns Arme gnädiglich.

Gelobt sei Gott im Himmelsthron,
Gelobt der Vater und der Sohn,
Der Geist in gleicher Wesenheit
Von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Gebet.
Erhöre, wir flehen, o Herr, die Bitten deiner Angehörigen, auf daß dieselben, wie sie sich allenthalben erfreut an dem glühenden Eifer der h. Helena, welche beglückt hier das ersehnte Holz des heiligen Kreuzes fand, durch deren Verdienste und Fürbitten verdienen, ebenso auch in der himmlischen Herrlichkeit sich ewig zu erfreuen. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen.


Die h. Helena soll zuerst eine Gastwirthin in England gewesen sein; dort lernte sie ein römischer Kriegsoberst Namens Constantius kennen, der sie heirathete. Beide waren Heiden, somit auch der Sohn, welcher aus dieser Ehe entsprang. Dieser hieß Constantin und wurde durch Fügung Gottes später sogar römischer Kaiser und Christ, und sonach der erste christliche Kaiser unter allen, die bisher über das römische Reich geherrscht hatten. Helena soll erst nach und durch ihren Sohn zum Christenthum gekommen sein.

Constantin ehrte seine Mutter Helena so sehr, daß er ihr den höchsten Titel als Kaiserin gab, er ließ ihr Bildniß auf das Geld schlagen, schenkte ihr verschiedene Ländereien und gab ihr freie Verfügung über den kaiserlichen Schatz. Helena war schon 63 Jahre alt, als die sich zum Christenthum bekehrte; dessenungeachtet fing sie in diesem Alter noch einen solch’ christlichen Wandel an, wie wenn sie von frühester Kindheit im Glauben erzogen worden wäre. Ihr Glaube und ihr Eifer für die Religion waren ganz außerordentlich. Sie machte in ihren alten Tagen, bald 80 Jahre alt, eine Reise nach Palästina; Gott soll sie durch eine Erscheinung besonders dazu aufgefordert haben; zugleich erhielt sie von ihrem Sohn, dem Kaiser, alle Vollmacht und außerordentliche Summen Geldes, um dort Alles anzuordnen und herzustellen, wie es ihr die Frömmigkeit eingab.

Helena fand die heiligen Stätten noch in der ganzen Verwüstung und Schändung, wodurch die heidnischen Kaiser ihren Haß gegen das Christenthum ausgelassen hatten. Das heilige Kreuz war verloren gegangen, ohne daß Jemand wußte, wohin es gekommen sei; der Teufel suchte, wie der h. Ambrosius sagt, den Augen der Menschen das Schwert zu entziehen, womit er durchstochen ward. Und als die Heiden sahen, daß das heilige Grab von den Christen verehrt wurde, so warfen sie es mit Erde zu, pflasterten den Boden; und um recht gründlich es ihnen zu verleiden, an jenen heiligen Orten ihre Andacht zu verrichten, so wurde an der Stelle des heiligen Grabes das Götzenbild des Jupiter, und wo Christus gekreuzigt worden, das Bild der Unzuchtsgöttin Venus aufgestellt.

Das größte Anliegen, was Helena hatte, war vor Allem, das heilige Kreuz zu finden. Sie ließ nicht nur durch Christen, sondern auch durch ortskundige Juden möglichst genau den Platz bestimmen, wo der Heiland gekreuzigt worden war. An dem bezeichneten Ort und seiner Umgebung ließ die Kaiserin nun alle Gebäude, namentlich den Tempel der Venus, niederreißen und den Schutt hinwegschaffen, sodann die Erde aufgraben. Nachdem man schon tief gegraben hatte, stieß man auf das heilige Grab und nicht weit davon auf drei Kreuze und ein kleines Brett, auf welchem die Inschrift war: Jesus von Nazareth, König der Juden. – Die Freude über diesen Fund war außerordentlich groß, allein sie trübte sich bald durch das Bedenken, welches unter den drei Kreuzen das des Heilandes sei. Bei Menschen war kein Rath und Auskunft zu finden, man nahm daher die Zuflucht zu Gott. Der h. Makarius, damals Bischof von Jerusalem, machte den Vorschlag, man solle die drei Kreuze zu einer vornehmen Frau, welche gerade schwer krank lag, tragen; dort kniete er nieder und betete, daß Gott das ächte Kreuz anzeigen möge durch Heilung der Kranken. Darauf wurde in Gegenwart der Kaiserin und des Volkes die Kranke mit einem Kreuz nach dem andern berührt; erst bei dem dritten fühlte sie sich plötzlich gesund und kräftiger als je in ihrem Leben.

Die Kaiserin Helena war ganz glückselig darüber, das wahre Kreuz nun vor sich zu haben. Freude und Liebe zum Erlöser zogen sie hin, das heilige Kreuz zu umfassen, Ehrfurcht und Demuth hielten sie davon zurück. Den 3. Mai wird dieses Ereigniß der Kreuzerfindung gefeiert. Es wurde nun eine große, höchst prachtvolle Kirche gebaut, welche beide Stätten, den Kalvarienhügel und das heilige Grab, zugleich umfaßte, da sie nahe beisammen sind.

Zwei Stunden von Jerusalem entfernt liegt Bethlehem, die Geburtsstätte unseres Heilandes. Auch diesen Ort hatte der Kaiser Hadrian dadurch schänden lassen, daß er dort einen Götzentempel errichtete, wo heidnische Feste (des Adonis) begangen wurden. Nachdem Alles zerstört war, was an das Heidenthum erinnerte, ließ die h. Helena auch hier einen prächtigen Tempel erbauen. Sodann wandte sie ihre Sorgfalt dem Orte zu, wo Christus in den Himmel aufgefahren ist, nämlich dem Gipfel des Oelberges. Auch dort ließ sie eine sehr schöne Kirche bauen. Aber wie Helena durch ihre Frömmigkeit angetrieben ward, die durch Christus geheiligten Orte mit herrlichen Kirchen und reichem Schmuck zu ehren, so bewirkte dieselbe Frömmigkeit in ihr auch Werke der Demuth. Sie kleidete sich in Jerusalem ganz einfach und bescheiden; so oft sie in die Kirche ging, nahm sie keinen besondern Platz, sondern stellte sich unter die andern Frauen. Sie lud die Jungfrauen, welche sich Gott geweiht hatten, zu Gast ein und bediente sie mit eigener Hand.

Hernach reiste die Kaiserin durch ganz Palästina; den langen Weg aber, den sie machte, bestreute sie gleichsam mit ihren Wohlthaten. Ueberall machte sie große Geschenke, besonders den Armen, und wandte ihre Macht an, um Gefangenen, Verbannten, Unterdrückten Erlösung und Hülfe zu verschaffen. Wo sie aber in eine Kirche kam, wenn es auch im kleinsten Ort war, beschenkte sie dieselbe mit reichem Schmuck.

Kurz nach dieser Reise fühlte Helena ihr Ende herannahen. Sie gab ihrem Sohne noch vortreffliche Belehrungen, wie er in allen Stücken eine christliche Regierung führen solle. Sie ermahnte ihn, väterlich für seine Unterthanen zu sorgen, an der Tugend festzuhalten, nicht hochmüthig zu sein, sondern in Furcht und Demuth Gott zu dienen. Hernach gab die gottselige Frau ihrem Sohne noch alle Segenswünsche und starb voll Frieden und Freude in seinen Armen.

Man kann zuweilen bemerken, daß Leute, die von niederem Stande zu Reichthum und höherer Stellung gelangen, besonders hochmüthig und einbilderisch sich zeigen. Sie offenbaren dadurch, daß sie eben der Seele nach gemein und niedrig geblieben sind. Die h. Helena war von ganz niederem Stande zum höchsten Rang gelangt, wozu je eine Frau es bringen konnte, sie ward die hochverehrte Mutter des mächtigsten Fürsten der Welt. Allein in ihr konnte man sehen, was wahre Vornehmheit ist. Für ihre eigene Person war sie ganz einfach und anspruchslos, ging in gewöhnlicher Kleidung zur Kirche, bediente ihre Gäste mit eigener Hand. Hingegen machte sie großen fürstlichen Aufwand zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen. Das ist die eigentlich christliche Vornehmheit, denn so hat es auch Christus gemacht; der mächtige König über Himmel und Erde wandte seine Macht an, um an Leib und Seele den Menschen zu helfen; für seine Person aber blieb er in tiefster Armuth. Das Gegentheil der christlichen Vornehmheit, die selbst im Himmel Ansehen gibt, ist jene Selbstsucht, die man oft bei reichen Leuten findet, nämlich, daß sie für sich und ihre Kinder den größten Aufwand machen, hingegen knauserig gegen andere Menschen sein und nichts geben wollen zur Verherrlichung Gottes; dieses ist die wahre Gemeinheit und Niedrigkeit der Seele, magst du noch so hohe Titel haben oder selbst auf einem Fürstenthron sitzen.