Schmidberger: Kräfte im Vatikan streuen Sand ins Getriebe
Zugleich bezeichnete es Schmidberger laut Zeitungsbericht als «ein gutes Zeichen», dass der Papst am Dienstag den amerikanischen Erzbischof Joseph Augustine Di Noia zum Vizepräsidenten der Kommission «Ecclesia Dei» ernannt hat. Diese Kommission ist unter dem Dach der Kongregation für die Glaubenslehre für den Dialog mit der Piusbruderschaft zuständig. Di Noia solle wohl die Sache im Sinne des Papstes voranbringen, mutmaßte Schmidberger.
Vatikansprecher Federico Lombardi sagte allerdings der Zeitung, der Papst sei in der Tat «für die Einigung, aber nur unter theologisch klaren Bedingungen». Diese hätten sich nicht geändert.
Zuor hatten sich führende Vertreter der Piusbruderschaft skeptisch über eine theologische Aussöhnung mit dem Vatikan geäußert. In einem als «vertraulich» und «intern» gekennzeichneten Rundschreiben, das seit Dienstag im Internet zirkuliert, schreibt der Generalsekretär der Bruderschaft, Christian Thouvenot, der Generalobere könne die zuletzt vom Vatikan vorgelegte Version des Einigungsdokuments nicht unterzeichnen. Das Anfang Juli tagende Generalkapitel der Piusbrüder soll nun über das Dokument und den gesamten Vorgang beraten.
Thouvenot erklärt unter Berufung auf mehrere nicht genannte Quellen, die letzte vom Generaloberen Bernard Fellay korrigierte Version vom April habe Papst Benedikt XVI. zwar persönlich überzeugt. Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, habe Fellay jedoch Mitte Juni eine wieder um einige Monate zurückgedrehte Textversion vorgelegt, die für die Bruderschaft «eindeutig inakzeptabel» sei. Dies habe Fellay Levada auch unmittelbar mitgeteilt. Die Korrekturvorschläge der Bruderschaft seien mithin vom Vatikan abgelehnt worden.
Das Rundschreiben Thouvenots an die Distriktoberen, Seminare und Häuser der Bruderschaft trägt das Datum vom Montag. Der Brief ist die neueste Entwicklung eines monatelangen Tauziehens und Schriftwechsels um eine mögliche theologische Einigung.
Vorangegangen waren eineinhalbjährige theologische Gespräche von Vertretern des Vatikan und der Traditionalisten. Deren Ergebnis war eine sogenannte lehrmäßige Präambel, die der Vatikan im September
2011 als Grundlage einer möglichen Aussöhnung formulierte und den Piusbrüder zur Unterschrift vorlegte. Darin wird die Treue zum Lehramt der katholischen Kirche einschließlich der Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) festgehalten.