Lassen Sie sich nicht aus der Bahn werfen!

(gloria.tv) Gestern publizierte Josef Bordat auf jobo72.wordpress.com/…/lassen-sie-sich… einen Offenen Brief an Dr. Rüdiger Grube, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bahn AG.

Sehr geehrter Herr Dr. Grube!

In der Regel schreibt man ja Offene Briefe, um damit dem Adressaten und der interessierten Öffentlichkeit zu zeigen, dass man gegen eine Haltung oder Maßnahme einsteht, die der Adressat vor eben jener Öffentlichkeit zu verantworten hat. Im vorliegenden Fall ist das anders: Ich möchte mich ausdrücklich bei der Deutschen Bahn AG dafür bedanken, dass diese den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des diesjährigen „Marsch für das Leben“ in Berlin Fahrpreisvergünstigungen gewährt. Ihr Unternehmen, das habe ich wohl verstanden, tut dies nicht, um sich weltanschaulich zu positionieren, sondern der gestiegenen Nachfrage nach Fahrkarten im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung Rechnung zu tragen. Schließlich gilt ihr spezielles Tarifangebot ja sonst auch für die unterschiedlichsten Großveranstaltungen. Ihre Gründe werden daher betriebswirtschaftlicher Natur sein.

Ich darf Ihnen, Herr Dr. Grube, jedoch versichern, dass Sie sich damit nebenbei auch für eine gute Sache einsetzen und als Großunternehmen ihrer gesellschaftlichen Rolle gerecht werden. Hintergründe zum „Marsch für das Leben“ erfahren Sie bei Interesse auf der Seite des Veranstalters.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, diese offizielle Darstellung um einige persönliche Anmerkungen zu ergänzen, weil ich durch Presseberichte davon erfuhr, dass Ihrem Unternehmen hinsichtlich der Geschäftspolitik im Zusammenhang mit dem „Marsch für das Leben“ offenbar massive Vorwürfe gemacht werden.

Dazu kann ich Sie nur ermutigen, die dabei vorgetragenen Unterstellungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des „Marsch für das Leben“ gegenüber, sorgfältig zu prüfen. Ist jemand, der sich für das Leben einsetzt, zwangsläufig „homophob“? Ist es tatsächlich „rechts“, sich für die Würde des Menschen einzusetzen, auch, wenn dieser behindert ist? Ist wirklich jeder „fundamentalistisch“, der Fundamente hat? Prüfen Sie, Herr Dr. Grube, bitte in aller Ruhe den Vortrag derer, die Ihr Tarifangebot zwar gerne für ihre eigenen Veranstaltungen in Anspruch nähmen (hierbei scheitert es offenbar am „Groß-“ in „Großveranstaltung“), dieses den Teilnehmerinnen und Teilnehmern anderer Veranstaltungen aber nicht gönnen, so wie sie diesen Anderen offenbar auch kein Recht auf Äußerung einer Meinung zubilligen, wenn und soweit diese von ihrer eigenen abweicht. Die Frage drängt sich auf, wessen „Demokratieverständnis“ hier problematisch ist: Das Ihrer künftigen Kunden oder das derer, die unbedingt verhindern wollen, dass aus Lebensschützern Bahnkunden werden?

Lassen Sie sich also, verehrter Herr Dr. Grube, nicht vom virtuellen Gegenwind aus der Bahn werfen! Auch besonders perfide Vergleiche mit Aufmärschen rechtsextremer Gruppierungen sollten nicht verfangen. Der Hinweis darauf, es handle sich beim „Marsch für das Leben“ um eine „verfassungsfeindliche Veranstaltung“ stellt die Sachlage auf den Kopf: Lebensschützer verteidigen die grundgesetzlich geschützte Würde und die Rechte des Menschen, denn das Recht auf Leben ist die notwendige Bedingung dafür, Würde und Rechte in Anspruch nehmen zu können, denn das kann nur ein Mensch, der lebt. Dass dabei zwischen menschlichem Leben vor und nach der Geburt kein prinzipieller Unterschied zu machen ist, soweit es eben um die grundgesetzlich geschützte Würde geht, hat das Bundesverfassungsgericht in bindenden Entscheidungen mehrfach festgestellt. Der „Marsch für das Leben“ steht also mit beiden Beinen auf dem Grundgesetz. Wer etwas anderes behauptet, kennt entweder das Anliegen des Lebensschutzes nicht – oder das Grundgesetz.

Ich hoffe, dass die Deutsche Bahn AG zu ihrer Entscheidung steht und den „Marsch für das Leben“ auch in den kommenden Jahren unterstützt!

Herzliche Grüße,
Ihr
Josef Bordat

Ich habe mir erlaubt, zu Ihrer Information einen Text zum Thema beizufügen: Lebensschutz. Worum es dabei (nicht) geht (URL: jobo72.wordpress.com/…/lebensschutz-wo…)
Monika Elisabeth
Josef Bordat und der Beitrag im Predigtgarten haben es wunderbar auf den Punkt gebracht.
Bibiana
🤗 👏
Rut2007
Da hat es die Bahn doch nach all den Jahren mit Negativmeldungen zu Fahrpreiserhöhungen, Tarif-Jungel, defekte Klimaanlagen, unfreundliche Mitarbeiter, Massenentlassungen etc. endlich mal geschafft, mit einer menschlichen Haltung eine positive Wahrnehmung zu erzeugen - und schon hagelt es Prügel.
Man kann den verantwortlichen Vorständen und Pressesprechern der Bahn nur eine gewisse stoische …Mehr
Da hat es die Bahn doch nach all den Jahren mit Negativmeldungen zu Fahrpreiserhöhungen, Tarif-Jungel, defekte Klimaanlagen, unfreundliche Mitarbeiter, Massenentlassungen etc. endlich mal geschafft, mit einer menschlichen Haltung eine positive Wahrnehmung zu erzeugen - und schon hagelt es Prügel.

Man kann den verantwortlichen Vorständen und Pressesprechern der Bahn nur eine gewisse stoische Gelassenheit zusprechen und ermuntern: Weiter so! (Falls es ausnahmslos betriebswirtschaftliche Gründe gab - was ich so nicht unterstelle, auch wenn naheliegend - muss man diese ja nicht in den Fokus rücken...).

Jedenfalls mal eine gute Nachricht von der Bahn!
elisabethvonthüringen
Wie peinlich! Feministinnen fordern die Bahn auf: Keine günstigen Fahrkarten für Abtreibungsgegner!
Geht es noch peinlicher? Die Deutsche Bahn zieht sich in den letzten Tagen heftigen medi-
alen Zorn zu. Feministinnen und andere protestieren lautstark dagegen, dass die Bahn für eine Großveranstaltung von Lebensschützern etwas anbietet, was sie genau so auch für andere Großveranstaltungen tut: …
Mehr
Wie peinlich! Feministinnen fordern die Bahn auf: Keine günstigen Fahrkarten für Abtreibungsgegner!

Geht es noch peinlicher? Die Deutsche Bahn zieht sich in den letzten Tagen heftigen medi-
alen Zorn zu. Feministinnen und andere protestieren lautstark dagegen, dass die Bahn für eine Großveranstaltung von Lebensschützern etwas anbietet, was sie genau so auch für andere Großveranstaltungen tut: nämlich Fahrkarten zu einem deutlich vergünstigten Tarif. Damit wird übrigens auch die Umwelt geschont, da weniger Teilnehmer mit dem eigenen PKW anreisen müssen.
Doch was da selbstverständliche jahrelange Praxis des Unternehmens Bahn ist, das soll nicht für die voraussichtlich etwa 2.000 Demonstranten gelten, die am 22. September zum "Marsch für das Leben" nach Berlin reisen werden. Also veröffentlicht man fleißig in der Szene die Anschriften für Beschwerden und heizt der Bahn so richtig ein. In wütenden immer wieder kopierten Schreiben heißt es etwa: "Ich kriti-
siere, dass die Deutsche Bahn extreme Abtreibungsgegner Bahntickets mit Sonderpreis zur Verfügung stellt und eine Demonstration gegen Abtreibungsrechte damit unterstützt"
.
Die Bahn reagierte darauf übrigens bislang erstaunlich ge-
lassen und betonte, dass es sich dabei um ein übliches und normales Angebot für fast alle Großveranstaltungen (NPD-Auf-
märsche nicht) handele, ohne sich als Unternehmen mit deren Inhalten zu identifizieren.
Peinlich, dass immer noch von "Abtreibungsrechten" geredet wird. Man hat also immer noch nicht kapiert, was von Gesetz-
geber und Gerichten klar erläutert wurde: Abtreibung ist in unserem Land kein grundsätzliches Recht; sonst bräuchte man auch keine Beratung, keinen Schein usw. Abtreibung
wird lediglich unter gewissen Bedingungen nicht bestraft.
Was soll daran so "homophob", "rechts", "extrem" oder gar "verfassungsfeindlich" sein, wenn Menschen in einem Schweigemarsch gegen Abtreibungen demonstrieren und mit 1000 Holzkreuzen (zur Erinnerung an etwa 1000 Abtreibungen pro Tag) durch einige Straßen ziehen?

Peinlich und extrem sind da doch wohl eher die Sprüche und Aktionen von einigen hundert Gegen-
demonstranten, die mit Sprech-
chören wie "Hätt' Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben" oder "Wir haben euch etwas mitgebracht: Hass!" und mit schrillem Triller-
pfeifenlärm mehr als deutlich zeigen, was für ein Verständnis von Toleranz und Demokratie sie selbst haben. Und so ist es sogar offenbar nötig, dass die Lebensschützer von Polizei-Hundertschaften beschützt werden müssen, um Schlimmeres zu verhindern.
So ist das eben mit der Meinungsfreiheit bei bestimmten Leuten: Andersdenkende werden kurzerhand niedergebrüllt. Wie suuuuuperpeinlich für euch selbst...!


- Verbilligte Bahntickets >> BITTE KLICKEN !
Poldi
Sehr schön geschrieben und klar dargestellt. Danke!
Latina
😇