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Das Birett oder der Saturno sind kaum noch zu sehen

(gloria.tv) Dieter Philippi besitzt die weltweit größte Sammlung mit Kopfbedeckungen verschiedener Religionen. Über diese Sammlung sprach er im Interview mit Gloria.tv.

Können Sie kurz umreißen, was die Sammlung alles umfasst?


Schwerpunkt sind über sechshundert Kopfbedeckungen aus Christentum, Islam, Judentum, Caodaismus, Shintoismus, Buddhismus, Sikhismus, Freikirchen, Sufismus, Täufer und weiteren Glaubensgemeinschaften.

Dazu kommen über hundert Ausstattungsstücke aus dem klerikalen und kirchlichen Bereich wie zum Beispiel die Schuhe des Papstes, Pontifikalhandschuhe, Pallien, Pektoralkreuze, Bischofsringe, Papstporzellan, Sountanenbinden, Kardinalsschal und anderes mehr.

Zudem beinhaltet die Sammlung 52 Pektoralschnüre (Pektoralkordeln), teilweise in aufwendigem Posamentenhandwerk hergestellt. An den Pektoralschnüren tragen in der römisch-katholischen Kirche der Papst, die Kardinäle, die Bischöfe und Äbte ihre Brustkreuze (Pektorale).

Wann haben Sie die Sammlung begonnen? Wie kamen Sie auf die Idee dieser speziellen Sammlung?

Als ich im Herbst 1998 durch die Straßen Roms spazierte, fiel meine Aufmerksamkeit auf ein rot schimmerndes Kardinalsbirett aus Seide in der Schaufensterauslage eines klerikalen Schneiders. Ich habe mir damals ein Herz gefasst, das Geschäft betreten und gefragt, ob ich es kaufen könne. Dem war so und so hatte ich für 45.000 Lira (ca. 23 Euro) mein erstes Stück.

Wie viele Stücke umfasst die Sammlung?

Derzeit über 600 Stück. Kürzlich ist noch ein ganz besonderes Stück hinzugekommen, auf das ich auch fast 1 Jahr gewartet habe: Ein „Chapéu de Raia“ (auch La Canoa oder Boat Hat genannt). Dieser Hut wurde von Priestern im 19. Jahrhundert in Portugal, Spanien und Südamerika getragen. “Raia” ist portugiesisch und bedeutet Rochen, da die Krempe des Hutes an einen Rochen erinnert, der seine Flossen nach oben schwingt.

Für den kommenden Monat hat mir ein Monsignore, der als Military Chaplain bei den US Streitkräften seinen Dienst versieht, seine Feldmütze mit Kreuz versprochen, die er auch in Afghanistan und im Irak getragen hat.

Lässt sich der Wert Ihrer Sammlung schätzen?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Viele Stücke habe ich auch geschenkt bekommen und ich könnte ihren Wert nur schätzen.

Was ist Ihrer Meinung das die „ausgefallenste“ Kopfbedeckung in Ihrer Sammlung – und warum?

Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Mit jedem Stück ist eine Geschichte verbunden, nämlich die, wie die Kopfbedeckung letztendlich in meine Hände kam. Die ausgefallensten Kopfbedeckungen sich sicherlich die des Caodaismus aus Vietnam.

Der Lieblingshut?

Eine Emma, die mir der koptische Bischof in Deutschland, S.E. Anba Damian, bei meinem Besuch im Kloster Höxter-Brenkhausen geschenkt hat. Er war so begeisterst von meiner Sammelleidenschaft, dass er seine Emma aus dem Kleiderschrank genommen hat und mir gegeben hat.

Gibt es für die katholische Kirche Änderungen in den letzten Jahrzehnten, die bei der religiösen Kopfbedeckung sichtbar werden?

Es lässt sich generell sagen, dass das Tragen von Kopfbedeckungen abgenommen hat. Das Birett oder der Cappello Romano (Saturno) sind kaum noch zu sehen. Die größte Resonanz in den Medien fand der Camauro, jene mit Hermelinfell verbrämte rote Samtmütze, den der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI. am 21. Dezember 2005 anlässlich einer Generalaudienz trug. Der Grund hierfür war, dass die Audienz im Freien angesetzt war und man aufgrund er Besucherzahl nicht in die Audienzhalle wechseln wollte oder konnte. An diesem Tag war es jedoch extrem kalt, so dass sich der Heilige Vater entschloss den Camauro zu tragen, um einer Erkältung oder Grippe vorzubeugen.

Sie halten auch Vorträge über religiöse Kopfbedeckungen. Was erfährt man bei den Referaten?

Ich habe aus meiner sehr umfangreichen Bilddatenbank die aussagekräftigsten 200 Fotos ausgewählt und eine aufwändig gestaltete Präsentation erstellt. Sie zeigt die Würdenträger und Repräsentanten mit ihren Kopfbedeckungen. Die Zuhörer erfahren viel über die historischen Hintergründe und den Symbolgehalt. Zudem berichte ich über die Übergabe einer Tiara an Papst Benedikt XVI. am 25. Mai 2011, die von mir in Zusammenarbeit mit einem Handwerksbetrieb für orthodoxe Kirchenausstattung in Sofia Bulgarien initiiert wurde. Ich biete interessierten Personengruppen (Seminaristen von Priesterseminaren, Pfarrgemeinden, Schülern, theologischen Fakultäten, ...) einen 90minütigen Vortrag an. Die Resonanz ist bis dato durchweg sehr positiv. „Es ist mal was ganz anderes“, wie es ein Zuhörer prägnant in einem Satz ausdrückte.

Im St. Benno Verlag, Leipzig ist Ihr Buch mit rund 1.000 Fotografien auf über 700 Seiten erschienen. Wie ist die Resonanz ausgefallen? Wenden sich zum Beispiel religiöse Würdenträger an Sie, wenn es um spezielle Fragen auf dem Gebiet der Kopfbedeckungen geht?

Die Resonanz war sehr positiv. Einen solchen Bildband, er wiegt immerhin 4,2 Kilogramm, gab es ja bis dahin nicht. Vor allem wurden die großformatigen Fotografien sehr gelobt. Über meine Website oder mein Blog erreichen mich wöchentlich Fragen nach Bezugsquellen für die einzelnen Hüte. Ich bekomme Zuschriften von Theatermodistinnen, die Fragen zur Machart und Abmessungen haben.

Ab und an wenden sich auch Wissenschaftler an mich, die wissen wollen, ob eine bestimmte Kopfbedeckung zu einer bestimmten Zeit gebräuchlich war. So wendete sich eine Kunsthistorikern aus New York an mich um zu erfragen, ob die rot-schwarzen Barette der beiden Kirchenschweizer auf dem Bild „A Burial At Ornans“ von Gustave Coubret in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts in dieser Aufmachung existierten.

Weitere Fragen und Informationen über Dieter Philippi und seine Sammelleidenschaft, den Aufbau der Sammlung und Bilder finden sich unter:

Sammlung Philippi
Tina 13
Auf jedes Häfele gehört ein Deckele. Schmunzel. 😁

2 Sam 8,6 b Der Herr half David bei allem, was er unternahm.
UNITATE!
ich kenne diese seite gut...

ich habe dieses jahr einen preester in soutane und mit schwarzem pileolus getroffen das ist wirklich sehr selten^^

aber das birett gehört zur fssp dazu...
elisabethvonthüringen
Im weltlichen Bereich sind die Pussy Riot Mützen der totale Renner;
die wärmen auch das Gesicht ...man kann damit auch unerkannt z.B.Tridentinische Messen besuchen!!
Latina
auch im weltlichen Bereich sieht man keine Hüte mehr..höchstens bei einigen "abgefahrenen" ganz jungen männern,adligen Damen oder älteren Herren...wintermützen sind aber derzeit wieder aktuell....aber sehr interessanter Beitrag,danke...den Camauro finde ich klasse,total warm..