Die große Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz wird heute achtzig. Hoch über den Dächern der Stadt Erlangen sprach Corrigenda mit ihr über die zeitlos interessanten Themen: Männlein und Weiblein, Liebe, Sex und Ehe, die leibliche Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.
„Die katholische Kirche hat, klug, wie sie ist, drei Forderungen, wenn die Liebe klappen soll: Du allein, du für immer, von dir ein Kind.“ „Und wenn ich meine Geschlechtlichkeit nutze, um mir selbst zu begegnen in meinem eigenen Geschlecht, da kann ich zwar was ausreizen, aber ich komme nie in dieses unglaubliche Sich-hineingeben-können in einen anderen Leib, der anders ist als ich und der mir aber doch in einer unglaublichen Passgenauigkeit entgegenkommt.“
Was sehen Sie für einen Ausweg aus dem Geschlechterkampf? Sollte man unter dem Begriff davon sprechen? Eine Zeitlang habe ich gedacht, das Wort könne man nicht sagen, denn dann beschwört man gerade herauf, was daraus folgt. Ich bin aber mittlerweile der Meinung, man muss es sogar verwenden. Wie kam es zu dieser Wendung? Ich habe Shakespeare wiederentdeckt. Der hat ja eine Reihe von Geschlechterkämpfen, die sind großartig! Nehmen Sie „Der Widerspenstigen Zähmung“, ein verrufenes Stück. Am Schluss spricht Katharina einen berühmten Monolog. Sie wirft sich zu Füßen Petruchios nieder, und ihre Schwester spottet: Jetzt bist du endlich da gelandet, wo du nie hinwolltest. Und Katharina hält dann eine Rede: Er sorgt für mich, er reitet in der Dunkelheit aus, um für mich zu kämpfen, und wenn er heimkommt, will er doch einfach nur meine Freundlichkeit, und die verweigere ich ihm auch noch? Sie wirft sich vor ihm nieder, ausgerechnet die, die sich früher mit ihm geschlagen hat. Bei Shakespeare ist eine leise Ironie darin, natürlich ist das sonst zu schön.