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Abramo
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„Diaspora Kirche vor dem Kollaps“

Am 28.12.2014 publizierte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung den Artikel „Diaspora Kirche vor dem Kollaps“ von Markus Günther. Hier die besten Zitate:

In der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember, fast auf den Tag genau vor 50 Jahren, irrte ein Student namens Franz durch die Straßen Münsters. Er konnte nicht schlafen. Zu aufgewühlt war er von der Predigt, die er am frühen Abend im Dom gehört hatte von einem jungen Priester und Professor, nur ein paar Jahre älter als er selbst, der Advent und Weihnachten auf ganz neue, ja revolutionäre Art deutete: Die alte Lehre, nach der die menschliche Geschichte sich in die Zeit des Dunkels und die des Heils teilt, die Zeit vor und nach Christi Geburt nämlich, könne doch heute niemand mehr ernst nehmen, sagte der junge Theologe. Wer wolle nach den Weltkriegen, nach Auschwitz und nach Hiroshima noch von der Zeit des Heils sprechen, die vor 2000 Jahren in Bethlehem begonnen habe? Nein, die Grenze zwischen dem Dunkel und dem Licht, zwischen Gefangenschaft und Erlösung, gehe nicht mitten durch die Geschichte, sondern mitten durch unsere Seele. Der Advent finde nicht im Kalender statt, sondern in unseren Herzen – oder er breche genau dort ergebnislos ab. Das ist starker Tobak, und man kann sich gut vorstellen, dass der Student nach dieser Predigt keinen Schlaf fand, sondern allein sein wollte, um das alles für sich zu durchdenken.

Heute sind die beiden alte Männer, der Student und der Prediger dieses denkwürdigen Abends in Münster, Franz Kamphaus, der damals eine schlaflose Nacht erlebte, und Joseph Ratzinger, der als 37-jähriger akademischer Jungstar die Theologiestudenten aufrüttelte.

Am Lebensende, verbindet die beiden über alle Distanzen hinweg eine gemeinsame Bilanz des Scheiterns: Das Christentum in Deutschland ist ideell bankrott.

Ja, die historische Kulisse steht noch, das ist wahr, und sie ist verblüffend gut erhalten. Doch in vielem gleicht die Kirche in Deutschland heute der späten DDR: sieht stabil aus, steht aber kurz vor dem Kollaps. Und wie in der späten DDR machen sich viele Funktionäre etwas vor. Pfarrer und Bischöfe, auch viele Aktive in den Pfarrgemeinden sehen blühende Landschaften, wo längst Wüste ist.

Nein, eine Kirche kann weder allein als Arbeitgeber noch als Stütze des Sozialsystems ernst genommen werden, sondern nur als Glaubensgemeinschaft. Und genau das, die gemeinsamen Glaubensinhalte, hat sich weitgehend in Luft aufgelöst.

Selbst unter den Gläubigen werden zentrale Inhalte der christlichen Botschaft massenhaft abgelehnt.

Wie wenig die Kirchenmitgliedschaft heute noch mit dem Glauben zu tun hat, offenbarte eine Meinungsumfrage des Instituts Allensbach im Auftrag der katholischen Kirche. Sie fiel allerdings so verheerend aus, dass die Ergebnisse nie veröffentlicht wurden. Auf die Frage, warum sie katholisch seien, antworteten 68 Prozent: „Weil man dann wichtige Ereignisse im Leben kirchlich feiern kann, zum Beispiel Hochzeit, Taufe.“ Auch beim zweithäufigsten Grund kann man die herzerfrischende Ehrlichkeit nur bewundern: „Es gehört für mich einfach dazu, das hat in unserer Familie Tradition.“

Die Kirchensteuer wird entweder unter politischem Druck abgeschafft oder versiegt spätestens ab 2030 sowieso; die letzte christlich sozialisierte und kirchlich aktive Generation scheidet bald aus dem Arbeitsleben aus und stirbt in den nächsten drei Jahrzehnten. Dann bricht auch die Fassade der Kirche zusammen. Dahinter wird eine Minderheit zum Vorschein kommen, die nicht viel größer sein wird als die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas.

Die Zahlen bewegen sich konstant in eine Richtung: bergab. Allein im Jahr 2013 verlor die katholische Kirche schon wieder zehn Prozent ihrer Gottesdienstbesucher. Die Rückbesinnung aufs Religiöse gibt es nicht.

Aber warum finden die im Glauben Suchenden die kirchlichen Wegweiser nicht mehr? Warum passen Angebot und Nachfrage nicht zusammen? Die populärste Antwort auf diese Frage lautet: weil die Kirche nicht mehr zeitgemäß ist. Das klingt vorderhand plausibel, ist aber bei genauerem Hinsehen Unsinn.

Denn die Evangelische Kirche in Deutschland hat so ziemlich alles getan, was von der katholischen Kirche immer noch verlangt wird, um endlich zeitgemäß zu sein.

Ein zweiter Denkfehler kommt beim populären Zauberwort „zeitgemäß“ hinzu: Wo sich die Kirche nicht auf zeitlose, unverfügbare Wahrheiten beruft, entlarvt sie sich selbst als reines Menschenwerk.

Stattdessen haben beide Kirchen in Deutschland – nicht immer offiziell, aber de facto, im praktischen Leben halt – zentrale Glaubensinhalte längst aufgegeben. Im Versuch, niemanden zu verprellen und den Zugang zum Glauben möglichst leicht zu machen, wurde vieles ein bisschen weichgespült.

Der kleinste gemeinsame Nenner dieser Verkündigung besteht oft nur noch aus einer Wohlfühlprosa, die ein möglichst breites Publikum ansprechen soll und gerade dadurch beliebig wirkt.

Vielleicht steht sich der Mensch von heute mit seiner aufgeklärten Schlauheit auch manchmal selbst im Weg. Glaube braucht einen Schuss Naivität, die Bereitschaft, die Kontrolle aus der Hand zu geben und sich auf Unbegreifliches einzulassen.

Doch die Kirchen haben auch selbst viel dazu beigetragen, Frömmigkeit und Glaubensnaivität, oder besser: die Unmittelbarkeit religiöser Bilder zu zerstören. In den Köpfen wurde der Sturm auf die traditionellen Vorstellungen angezettelt. Vielleicht ist das die verhängnisvollste Entwicklung der modernen Theologie gewesen: die Inhalte von ihren Bildern lösen zu wollen, den Glauben zu abstrahieren und darauf zu vertrauen, dass der Mensch von heute mehr mit einem Begriff als mit einem Bild anfangen kann. Ein Irrtum. Ein Glaube ohne Bilder ist eine Ideologie, und über eine Ideologie entscheiden der individuelle Verstand und die Mode der Zeit.

Wer die Bilder zerstört, lässt auch von den Begriffen nichts mehr übrig. Wer sich Gott nicht mehr als Person vorstellen will, sondern lieber als abstraktes Wesen, als Energie oder Kraft, der wird darüber auch den Glauben verlieren.
Carlus
Das Konzil der Buchhalter. Die Zerstörung der Sinnlichkeit. Eine Religionskritik Taschenbuch – 1992
www.amazon.de/…/3596273404
Carlus
Hierzu einen Hinweis, das Buch

Das Konzil der Buchhalter (Lorenzer)
www.monarchieliga.de/index.php

Der Autor Alfred Lorenzer ist kein Sprecher für die Heilige römische Kirche, vielmehr ist er ein Atheist. Aus diesem Grunde sind seine Erkenntnisses die er gemacht, anläßlich eines Forschungsauftrag, in wie weit das Konzil das kirchliche Bauwesen beeinflusst hat von großer Bedeutung. Aus …More
Hierzu einen Hinweis, das Buch

Das Konzil der Buchhalter (Lorenzer)
www.monarchieliga.de/index.php

Der Autor Alfred Lorenzer ist kein Sprecher für die Heilige römische Kirche, vielmehr ist er ein Atheist. Aus diesem Grunde sind seine Erkenntnisses die er gemacht, anläßlich eines Forschungsauftrag, in wie weit das Konzil das kirchliche Bauwesen beeinflusst hat von großer Bedeutung. Aus dessen Erkenntnis hätten die Bischöfe einen Nutzen für ihre Handlungsweise ziehen können, wenn sie nur gewollt hätten.
elwand
"Wo sich die Kirche nicht auf zeitlose, unverfügbare Wahrheiten beruft, entlarvt sie sich selbst als reines Menschenwerk."
Franz Kardinal König starb - wikipedia - am 13. März 2004 um 3 Uhr früh.
prince0357
Es ist das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern.
Alle bewundern diese "Kleider", nur ein Kind ruft aus: Der Kaiser ist nackt.

Heute spielt sich dies in unseren Kirchen täglich ab. Alles paletti, ja keine Ecken und Kanten. Dort könnt ma sich ja wehtun.
Und wehe dem, der diese Kanten und Ecken schärft. Er wird verleumdet, ausgegrenzt, gemobbt.

Beten wir für jene, die die Ecken und Kanten schä…More
Es ist das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern.
Alle bewundern diese "Kleider", nur ein Kind ruft aus: Der Kaiser ist nackt.

Heute spielt sich dies in unseren Kirchen täglich ab. Alles paletti, ja keine Ecken und Kanten. Dort könnt ma sich ja wehtun.
Und wehe dem, der diese Kanten und Ecken schärft. Er wird verleumdet, ausgegrenzt, gemobbt.

Beten wir für jene, die die Ecken und Kanten schärfen.
Gottlob
Dies ist das Ergebnis der Ablehnung Christi und versucht, die Welt zu gefallen. 🤦
Santiago_
Vertrauen wir diesmal einfach mal auf die "Lügenpresse". Ansonsten doch lieber auf seriöse Quellen: „Gott bewahre uns vor den Deutschen“ – Marxens Drohung gegen Rom
Plaisch
In der Zeitrechnung erscheint ein kleiner Fehler. 1964 war JR tatsächlich 37 Jahre alt, aber Franz Kamphaus alles andere als ein Student, sondern selbst Priester seit fast 6 Jahren und fast 33 Jahre alt.
elisabethvonthüringen
Eigentlich haben wir also keinen Grund

Aus einem Leserbrief an Die Tagespost von Paul Josef Kardinal Cordes zu den Verlautbarungen nach der Vollversammlung der DBK in Hildesheim:

>> In diesen Äußerungen stellte der Vorsitzende [der DBK] fest, in der Weltkirche richte man „eine gewisse Erwartung“ an Deutschland. Das ist schon verwunderlich. Bei einer Umfrage der „Bertelsmann-Stiftung“ erwies …More
Eigentlich haben wir also keinen Grund

Aus einem Leserbrief an Die Tagespost von Paul Josef Kardinal Cordes zu den Verlautbarungen nach der Vollversammlung der DBK in Hildesheim:

>> In diesen Äußerungen stellte der Vorsitzende [der DBK] fest, in der Weltkirche richte man „eine gewisse Erwartung“ an Deutschland. Das ist schon verwunderlich. Bei einer Umfrage der „Bertelsmann-Stiftung“ erwies sich, dass nur 16, 2 Prozent der westdeutschen Katholiken den allmächtigen Gott als ein personales Gegenüber glauben; alle andern Katholiken setzen Gott gleich mit einer Vorsehung ohne Gesicht, mit dem anonymen Schicksal, mit einer Urkraft. Oder sie leugnen ihn schlicht. Eigentlich haben wir also keinen Grund, uns gegenüber den Kirchen anderer Länder mit unserm Glauben hervorzutun.<<

Mehr dazu in einer Zusammenfassung via kath.net
a.t.m
Besonders die Diaspora Kirchen des deutschsprachigen Raumes (CH, D, Ö) sind doch "Geistig" schon längst kollabiert, nur dem modernen Ablasshandel namens "Zwangskirchensteuer" ist es zu verdanken das diese körperlich noch nicht Bankrott gegangen sind.

Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen
Iacobus
"Doch in vielem gleicht die Kirche in Deutschland heute der späten DDR: sieht stabil aus, steht aber kurz vor dem Kollaps."
Sic est.
Und für die Zeit nach dem Kollaps steht bereits die neue Weltordnung bereit.