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Martin Mosebach: Die Kirche entzieht der Messe die heilige Visualisierung

Der deutsche Schriftsteller Martin Mosebach sprach am 31. August im Zisterzienserkloster Alter Ritus in Vyšší Brod, Tschechische Republik. Die wichtigsten Punkte

- Die Kirche ist derzeit bestrebt, das Messopfer jeglicher Visualisierung zu entkleiden. Ist ein einfacher Tisch als Altar nicht ausreichend? Können die Paramente nicht radikal vereinfacht oder gar weggelassen werden?

- Die Pracht der Liturgie, die sich von der grauen Alltäglichkeit abhob, sollte die Herzen zum Himmel erheben.

- 300 Jahre lang wurde im mittelalterlichen Frankreich ein Drittel der Staatseinnahmen für den Bau von Kathedralen ausgegeben. Es heißt, dass zu diesem Zweck mehr Steine bewegt wurden als in den 3000 Jahren des pharaonischen Ägyptens. Dies geschah, als die meisten Menschen nach heutigen Maßstäben in Armut lebten.

- Das Heilige, der dem Kommerz entzogene Raum, der um das Allerheiligste Sakrament herum geschaffen wurde, ist ein Wert an sich und bedarf keiner weiteren Rechtfertigung. Wenn hingegen eine Kirche heute nicht gefüllt ist, ist der erste Impuls der Diözesen, sie zu verkaufen oder abzureißen.

- Bei Rockkonzerten und im Showgeschäft wird ein unvergleichlicher, sinnlicher Aufwand betrieben. Die Olympischen Spiele werden mit übertriebener Pracht eröffnet.

- Schönheit appelliert weder an die Vernunft noch an die Moral, sondern an die Sinne. In ihr offenbart sich die Wahrheit im Reich der Materie, dem Körper. Aber für den modernen Menschen gehört die Schönheit in den Bereich der individuellen und subjektiven Willkür.

- Die einfachen Gläubigen, die von den aktuellen theologischen Trends nicht erreicht werden und einfach ihrem Instinkt folgen, haben angesichts der Verdrängung der Schönheit aus der Liturgie Zuflucht zum Kitsch genommen. Ihre gekrönten Gipsfiguren sollten von denen, die für die ästhetische Kapitulation der Kirche verantwortlich sind, als brennender Vorwurf empfunden werden.

- Die Kirche hat ein umfassendes Regelwerk für ihr gesamtes äußeres Erscheinungsbild, das keinen Raum für individuelle Gestaltungsmöglichkeiten und damit für einen ästhetischen Bürgerkrieg lässt.

- Wie eine Kirche aussehen soll, wird nicht dem Ermessen eines Stararchitekten überlassen, dem die Hierarchie demütig dankt. Eine Kirche muss nach Osten ausgerichtet sein, einen Altarraum haben, der vom Kirchenschiff durch Chorschranken getrennt ist, die dem Tempel von Jerusalem nachempfunden sind, einen Altar mit Stufen, die Kalvarienberg und nicht den Tisch darstellen. Das Baptisterium muss sich außerhalb des Kirchenschiffs befinden.

- Wenn Sie bei der Gestaltung einer Kirche alle traditionellen Gesetze befolgen, werden Sie sehen, dass selbst in völliger Kunstlosigkeit ein sakraler Raum entsteht.

- Wir sollten endlich die Unfähigkeit der zeitgenössischen Kunst erkennen, der Liturgie zu dienen, wenn es um heilige Bilder geht.

- In Deutschland hat man die Darstellung des Kreuzes kommerziellen Künstlern überlassen, die es an vielen Stellen, zum Beispiel auf dem Gesangbuch, in ein zerquetschtes, zerfallendes 'T' verwandelt haben, an das kein Körper genagelt werden konnte.

- Trotz allem ist das Kreuz immer noch da, in unübertrefflicher Einfachheit, fernab von jeder ästhetischen Diskussion. Kein künstlerisches Genie ist in der Lage, ihm etwas hinzuzufügen.

- Die liturgische Arbeit der Vergegenwärtigung Gottes ist eine ungeheure Überforderung. Die genaue Einhaltung der traditionellen Regeln führt zu einer großen Erleichterung.

- In unserer gegenwärtigen Unfähigkeit zur Schönheit haben wir eine neue Gelegenheit, Schönheit nicht als etwas zu erleben, das wir selbst geschaffen und beabsichtigt haben, sondern als Offenbarung und Gnade.

AI-Übersetzung

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Mir vsjem

Nichts hat die KIRCHE, die Römisch-katholische Kirche, der Messe entzogen.
Genauso verkehrt ist die Aussage:
"Das Motu Proprio „Summorum pontificum“ von 2007 war „ein erster ernsthafter Versuch, einen großen und für die ganze Kirche gefährlichen Fehler zu korrigieren“.
Mosebach fände auch eine Rückkehr zu den Beschlüssen der Liturgiekonstitution des Konzils für erstrebenswert.

Peter Endgültig

Mosebach scheint kein Freund der Zisterzienser, Trappisten oder Kartäuser zu sein...

Salzburger

Gibt es irgendwo den genauen WortLaut zu lesen/hören?

Vates

Bei all' seinen guten Analysen in puncto Glauben und Kirche in ihrer bis jetzt größten Krise darf Martin Mosebach nicht den Eindruck erwecken, in erster Linie ein "Schöngeist" zu sein.
Seine Überbetonung der Ästhetik grenzt schon an Ästhetizismus.
"Die Schönheit ist zwar der Glanz der Wahrheit", aber nicht ursächlich für den Glaubensakt, sondern nur förderlich. Der Beweis dafür liegt im Glauben der Urkirche, die ohne jede äußere Schönheit zum Glauben gelangt war und ihn mit ihrem Blut besiegelte!

Klaus Elmar Müller

1. Mosebach wendet sich ja gerade gegen eine Ästhetisierung der Kreuzesdarstellung zum hübschen T hin. 2. Jesus lag daran, dass der Abendmahlssaal schön "mit Polstern" (!) hergerichtet werde (Mark 14, 15). 3. Zu den Wesenszügen Gottes gehört in der scholastischen Philosophie die Schönheit. 4. Woher wollen Sie wissen, dass die Urkirche die heiligen Messen in gewollter Schlichtheit gefeiert hat? Die Urkirche hat ihre Märtyrer gefeiert, z.B. durch einen Tanz an ihren Gräbern. 5. Die heilige Messe ist Abglanz der himmlischen Liturgie, ist ihre Verirdischung.

Vates

@Klaus Elmar Müller:
Die Anschauung der Schönheit Gottes ist außer den Engeln den Seligen des Himmels vorbehalten. Hienieden gilt die 7. Strophe des "Adoro te devote"::
"Jesu, quem velatum nunc aspicio....." (dem hl. Thomas von Aquin zugeschrieben).
Die Katakomben- und KZ-Messen waren bar jeder äußeren Schönheit und konnten gar nicht anders als mit äußerster Schlichtheit gefeiert werden. Dennoch waren auch sie wie jede hl. Messe durch ihr inneres Wesen der "Abglanz der himmlischen Liturgie" als deren "Verirdischung". Ihre äußere Schönheit ist anregend und förderlich für den Glauben, aber weder ursächlich noch notwendig für ihn. Die unübertroffene Definition des Glaubensaktes durch den hl. Thomas von Aquin enthält weder das "Gefühl" noch die "Sinnlichkeit".
Die vorkonziliare hl. Messe im überl. röm. Ritus hat trotz ihrer unübertrefflichen Schönheit und Würdigkeit nicht die einsetzende Verdunstung des Glaubens durch den intellektuellen Stolz der Priester und die sittliche Lauheit der Gläubigen verhindern können.
Die Verinnerlichung wurde durch den klappernden Leerlauf der bloßen Gewohnheitsmäßigkeit "ersetzt".
Gleichwohl ist für die Heilung des "verwüsteten Weinbergs" der Kirche die ausschließliche Renaissance der "Messe aller Zeiten" unter vollständiger Abschaffung des NOM unabdingbar! Die Vorzeichen dafür sind unübersehbar!
Mit ihr kehrt zugleich der unverkürzte und unverfälschte Glaube zurück!
Lex orandi - lex credendi!

Ich habe in meiner Kindheit und Jugend keine lauen Priester kennen gelernt. Auch unser Pater, der die hl. Messe so schnell wie Pius XII. zelebrierte, war tiefgläubig! Die hl.Messen im KZ waren durchaus auf Schönheit angelegt. Es gibt Fotos. "Unschön" war es, wenn der Nazischerge auf der Haut des Priesrers seine Zigarette ausdrückte.

Klaus Elmar Müller

Exzellente Analyse: "Tisch als Altar (...) Paramente (...) radikal vereinfacht" gegen den Olympiade-Prunk, den die Massen lieben. Kirchenkunst den Allüren von bezahlten Starkünstlern überlassen. Und während Touristen die pyramidalen Steinhaufen Ägyptens bestaunen, stellt Martin Mosebach klar, dass die christusgläubigen Armen für die eleganten Wunderwerke französischer Kathedralen in 300 Jahren mehr Steine bewegten als in 3000 Jahren für die Gräber der Pharaonen verwendet wurden.

Seidenspinner

Hier das angesprochene Gotteslob mit Strichen ergänzt
Gotteslob