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De Profundis
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Wortlaut - Benedikt XVI. über die Homosexuellen-Ehe als kulturelle Revolution

Jüngst erschienener Text von Benedikt XVI. „Von der Unverfügbarkeit und Würde des Menschen“, erschienen im Buch „Das wahre Europa. Identität des Menschen“, Verlag: Cantagalli.

Mit der Legalisierung der „homosexuellen Ehe“ in 16 Staaten Europas hat das Thema Ehe und Familie eine neue Dimension angenommen, an der man nicht vorbeigehen kann. Es zeigt sich eine Verbildung des Gewissens, die offenbar tief in die Kreise des katholischen Volkes hineinreicht. Darauf kann man nicht mit ein paar kleinen Moralismen antworten und auch nicht mit ein paar exegetischen Hinweisen. Das Problem geht tief und muss daher grundsätzlich bedacht werden.

Zunächst scheint es mir wichtig festzustellen, dass der Begriff einer „homosexuellen Ehe“ im Widerspruch zu allen bisherigen Kulturen der Menschheit steht, also eine kulturelle Revolution bedeutet, die sich der gesamten bisherigen Tradition der Menschheit entgegensetzt. Zweifellos ist die rechtliche und moralische Konzeption von Ehe und Familie in den Kulturen der Welt außerordentlich verschieden. Nicht nur der Unterschied zwischen Monogamie und Polygamie, sondern auch andere weitreichende Unterschiede sind festzustellen. Dennoch ist die Grundgemeinschaft nie in Zweifel gezogen worden, dass die Existenz des Menschen in der Weise von Mann und Frau auf Fortpflanzung hingeordnet ist und dass die Gemeinschaft von Mann und Frau und die Offenheit für die Weitergabe des Lebens das Wesen dessen aus[1]machen, was man Ehe nennt.

Die Grundgewissheit, dass der Mensch als Mann undFrau existiert, dass die Weitergabe des Lebens dem Menschen aufgegeben ist und dass eben die Gemeinschaft von Mann und Frau dieser Aufgabe dient und dass darin wesentlich über alle Unterschiede hinweg die Ehe besteht, ist eine Urgewissheit, die in der Menschheit bis heute als Selbstverständlichkeit existiert.

Eine grundlegende Erschütterung dieser menschlichen Urgewissheit ist eingeleitet worden, als durch die Pille die Trennung von Fruchtbarkeit und Sexualität zu einer grundsätzlichen Möglichkeit geworden ist. Es geht hier nicht um die Kasuistik, ob und wann eventuell die Anwendung der Pille moralisch gerechtfertigt sein kann, sondern um das grundlegend Neue, das sie als solche bedeutet – eben die grundsätzliche Trennung von Sexualität und Fruchtbarkeit. Diese Trennung bedeutet nämlich, dass damit alle Formen der Sexualität gleichberechtigt werden. Es gibt keinen grundsätzlichen Maßstab mehr.

Wenn Sexualität und Fruchtbarkeit nicht grundsätzlich zusammengehören, werden in der Tat alle Formen von Sexualität gleichberechtigt. Diese neue Botschaft, die in der Erfindung der Pille enthalten war, hat zunächst nur langsam, aber dann immer deutlicher das Bewusstsein der Menschen umgestaltet.

Darauf folgt dann ein zweiter Schritt: Wenn zunächst Sexualität von der Fruchtbarkeit getrennt wird, dann kann umgekehrt natürlich auch die Fruchtbarkeit ohne die Sexualität gedacht werden. Es erscheint dann richtig, die Fortpflanzung des Menschen nicht mehr der zufälligen körperlichen Leidenschaft anzuvertrauen, sondern den Menschen rational zu planen und zu produzieren. Dieser Prozess, dass Menschen nicht mehr gezeugt und empfangen, sondern gemacht werden, ist inzwischen in vollem Gang. Das bedeutet aber dann, dass der Mensch nicht mehr eine geschenkte Gabe ist, sondern ein geplantes Produkt unseres Machens. Was man machen kann, kann man aber auch zerstören. Insofern ist der wachsende Trend zum Suizid als geplanter Beendigung des eigenen Lebens ein Bestandteil des geschilderten Trends.

So wird aber sichtbar, dass es bei der Frage der „homosexuellen Ehe“ nicht um etwas mehr Großzügigkeit und Offenheit geht, sondern die Grundfrage ist: Wer ist der Mensch? Damit geht es auch um die Frage: Gibt es einen Schöpfer, oder sind wir alle nur gemachte Produkte?

Es steht die Alternative auf: Der Mensch als Geschöpf Gottes, als Bild Gottes, als Geschenk Gottes oder der Mensch als Produkt, das er selber herzustellen weiß. Wo der Schöpfungsgedanke preisgegeben wird, ist die Größe des Menschen preisgegeben, seine Unverfügbarkeit und seine alle Planungen übersteigende Würde.

Man kann das Ganze auch noch von einer anderen Seite her ausdrücken. Die Ökologische Bewegung hat die Grenze der Machbarkeit entdeckt und erkannt, dass die „Natur“ uns ein Maß vorgibt, das wir nicht ungestraft ignorieren können. Leider ist die „Ökologie des Menschen“ noch immer nicht konkret geworden. Auch der Mensch hat eine „Natur“, die ihm vorgegeben ist und deren Vergewaltigung oder Verneinung zur Selbstzerstörung führt.

Gerade darum geht es auch im Fall der Schöpfung des Menschen als Mann und Frau, die im Postulat der „homosexuellen Ehe“ ignoriert wird. Mir scheint, dass es wichtig ist, die Frage in dieser Größenordnung zu bedenken. Nur so werden wir unserem Auftrag für den Menschen vor Gott gerecht.
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"Wenn Sexualität und Fruchtbarkeit nicht grundsätzlich zusammengehören, werden in der Tat alle Formen von Sexualität gleichberechtigt. Diese neue Botschaft, die in der Erfindung der Pille enthalten war, hat zunächst nur langsam, aber dann immer deutlicher das Bewusstsein der Menschen umgestaltet."
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"Wenn zunächst Sexualität von der Fruchtbarkeit getrennt wird, dann kann umgekehrt natürlich auch die Fruchtbarkeit ohne die Sexualität gedacht werden. Es erscheint dann richtig, die Fortpflanzung des Menschen nicht mehr der zufälligen körperlichen Leidenschaft anzuvertrauen, sondern den Menschen rational zu planen und zu produzieren. Dieser Prozess, dass Menschen nicht mehr gezeugt und …More
"Wenn zunächst Sexualität von der Fruchtbarkeit getrennt wird, dann kann umgekehrt natürlich auch die Fruchtbarkeit ohne die Sexualität gedacht werden. Es erscheint dann richtig, die Fortpflanzung des Menschen nicht mehr der zufälligen körperlichen Leidenschaft anzuvertrauen, sondern den Menschen rational zu planen und zu produzieren. Dieser Prozess, dass Menschen nicht mehr gezeugt und empfangen, sondern gemacht werden, ist inzwischen in vollem Gang. Das bedeutet aber dann, dass der Mensch nicht mehr eine geschenkte Gabe ist, sondern ein geplantes Produkt unseres Machens. Was man machen kann, kann man aber auch zerstören."
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Pille, Homo-Ehe, künstliche Befruchtung und Suizid. Wie alles zusammenhängt.
Sin Is No Love
Ein Bekannter macht mich gerade auf einen schon etwas älteren Beitrag - ebenfalls religiös und geschichtlich konnotiert - zu diesem Thema hier aufmerksam: ef-magazin.de/…liche-ehe-fuer-alle-der-untergang-des-morgenlandes
Staatliche Ehe für alle: Der Untergang des Morgenlandes

Es ist wohl eine Art Christliche Dekadenz, die hier so "woke" wirkt. Denn es ist auffällig, dass die "Homosex-Ehe" ein …More
Ein Bekannter macht mich gerade auf einen schon etwas älteren Beitrag - ebenfalls religiös und geschichtlich konnotiert - zu diesem Thema hier aufmerksam: ef-magazin.de/…liche-ehe-fuer-alle-der-untergang-des-morgenlandes
Staatliche Ehe für alle: Der Untergang des Morgenlandes

Es ist wohl eine Art Christliche Dekadenz, die hier so "woke" wirkt. Denn es ist auffällig, dass die "Homosex-Ehe" ein Produkt des westlichen Christentums ist. Nicht eines der Orthodoxie, keines des Buddhismus oder gar des Islams. Nein, das Morgenland kennt es nicht. Ob es tatsächlich darob untergeht?
Stelzer
Vielen Dank, ich habe diesen Artikel wohl übersehen
Cyrill Erswill
Es wäre hilfreich, diesen Text so einzustellen, dass er ausdruckbar bzw. weiter-versendbar und an andere weiter gegeben werden kann. Der Text wird in Gesprächen mit unseren modernistischen Pfarrern benötigt.

Wer kann behilflich sein, dass wir oben mit der Reader-Einstellung diesen Text von Papst Benedikt den drucken können. Danke . . .
Schönheit des Katholizismus
Einfach ins Word kopieren....
Kirchen-Kater
Kirchen-Kater
Oder docdro.id/wuSP4tp im Webbrowser eingeben. Kann nach dem Download auch gedruckt werden. Falls ein PDF-Tool fehlt, ist diese schlanke Version schon lange bewährt und empfehlenswert: Sumatra PDF | heise Download
Sin Is No Love
Danke für das PDF! Habe es hier auf die hier gewohnte Weise zur Verfügung gestellt: Papst Benedikt: Des Menschen Sex-Ökologie - es gilt sie zu verstehen und zu befolgen.
Kirchen-Kater
So kann man arbeiten: Erst einmal den Bestand, den Status Quo sauber und vorbehaltlos analysieren. Dann im Glauben den Befund betrachten. Erst dann kann man eine Lösung für das IST gen SOLL erarbeiten. Erst verstehen, dann prüfen. Dann das Werden im Glauben angehen. Das hat etwas von Scholastik und vor allem von dem, was unsere Zeit heute zuvörderst braucht: Den Glauben richtig anzubringen.
SvataHora
Ob er sich wohl auch mal noch zu "Traditionis Custodes" äußern wird? Das war doch ein Messerstich in seinen Rücken.
viatorem
Darf er wirklich nicht in den Alters-Ruhestand gehen?

Hört bitte auf, ihn für "euere" Zwecke zu missbrauchen.!
klee heut
Man las doch irgend eine Äußerung von ihm nach TC im Sinne von man "Solange bei kirchenamtlichen Texten nur das Amt, aber nicht das Herz und der Geist sprechen, so lange wird der Auszug aus der Welt des Glaubens anhalten".

mk-online.de/…-aeussert-sich-kritisch-gegenueber-der-kirche.html

Quasi: Männer rein nach dem Gesetze sind leer.
Bethlehem 2014
@SvataHora Wenn Benedikt "rücklings erdolcht" wurde, dann bereits 2013.
Dann ist er (leider) "tot" und kann uns nix mehr zu TC sagen.
Aber vielleicht erscheint er ja noch einmal!
SvataHora
@Bethlehem 2014 - Das schon. Aber wie obiger post zeigt, äußert er sich ab und zu eben doch mal.
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