Zwei Beispiele, die den Vorwurf von Lügen durch Bergoglio-Franziskus erhärten.
Erstens:
Eine von vielen Absichtserklärungen Franziskus` war, dass die Kirche (und nach Amt sowie seinem Verhalten nach dem von ihm unverkennbar gelebten Grundsatz, „L’Eglise, c’est Moi“) und er an die Ränder der Kirche und der Gesellschaft gehen sollen und wollen. Ebenso rief er in einer Vielzahl von Situationen – wiederholend und stark betonend – zur radikalen Integration auf, weil alle in der Kirche willkommen seien (auf Spanisch „Todos!, „Todos!, „Todos!).
Wahr ist, dass von ihm alle, die die Heilige Messe bevorzugt nach dem missale romanum – diese teilweise mit Stand vor 1962 und teilweise mit Stand 1962 feierten, feiern oder feiern wollen - als (ich nenne bewusst nur diesen milden Ausdruck, wiewohl noch einige Schimpfwörter, mit denen der Papst diese Katholiken bedachte) nostalgische „Traditionalisten“, die die Kirche spalten, abgestempelt, marginalisiert und an den Rand der Kirche gedrängt wurden.
Wer nun das bewusst an den Rand drängen der mit dem Glauben und Tradition verbundenen Katholiken und die de facto Abschaffung der Heiligen Messe nach dem oben genannten missale romanum als Integrations- und pastorale Willkommens- und Einheitsherstellungsmaßnahme sieht, kann auch den Vorwurf der Lüge natürlich nicht erkennen und ihn deshalb leugnen. Wahr ist, dass traditiones custode nicht integriert, keine Einheit herbeiführt, sondern spaltet.
Die Beliebtheit der traditionellen lateinischen Messe ist allgemein bekannt und kann direkt mit ihrer Betonung von Ehrfurcht, Transzendenz und übernatürlicher Vertikalität in Verbindung gebracht werden. Dies sind Eigenschaften, die in jeder Messe vorhanden sein sollten, aber in vielen Gemeinden schmerzlich vermisst werden. Es ist aufschlussreich, dass überall dort, wo die nachkonziliare Liturgie in einer zutiefst traditionellen und transzendenten Weise gefeiert wird, sie fast immer ein Erfolg ist, was die Legitimität des Verlangens von Millionen frommer Katholiken nach einer zutiefst ehrfürchtigen Messe nur unterstreicht!
Ich selbst gehe nicht zur traditionellen lateinischen Messe in der Fassung vor 1962 und habe keine besondere Beziehung zu ihr. Aber es gibt Millionen fromme und tiefgläubige Katholiken, die sie lieben.
Ich sehe keinen Grund, warum eine pastorale Kirche, die verkündet und damit vorgibt, an die Ränder zu gehen und sich um die Randgruppen zu kümmern und um Einheit bemüht zu, sie verprellen und verstoßen sollte.
Zweitens:
Bekanntlich wurde Traditionis Custodes erlassen, nachdem der Vatikan die Ergebnisse eines Fragebogens erhalten hatte, den er an die Bischöfe geschickt hatte. Da die Ergebnisse nie veröffentlicht wurden, blieb die Frage offen, welche und wie weit verbreitet die Probleme in den Gemeinden der lateinischen Messe sind.
In einem Begleitbrief an die Bischöfe legte Papst Franziskus seine Entscheidung dar: "Zur Verteidigung der Einheit des Leibes Christi sehe ich mich gezwungen, die von meinen Vorgängern gewährte Erlaubnis zu widerrufen. Der verzerrte Gebrauch, der von dieser Erlaubnis gemacht worden ist, steht im Widerspruch zu den Absichten, die zur Gewährung der Freiheit geführt haben, die Messe mit dem Missale Romanum von 1962 zu feiern."
In der nun veröffentlichten allgemeinen Einschätzung, die die Glaubenskongregation auf Grundlage der eingegangenen Rückmeldungen verfasst haben soll, wird dagegen ein weniger negatives, besser: falsches Bild gezeichnet. Die Rückmeldungen zeigten, dass das Motu proprio Summorum Pontificum eine deutliche, wenn auch bescheidene Rolle in der Kirche spiele.
Die von Benedikt XVI. eingeführte Vereinfachung der Feier der vorkonziliaren Liturgie habe "die gleiche Würde der beiden Formen desselben römischen Ritus bekräftigt und damit die Voraussetzungen für einen echten liturgischen Frieden geschaffen, auch im Hinblick auf eine mögliche zukünftige Einheit der beiden Formen".
Die Mehrheit der Rückmeldungen von Bischöfen betonten, dass die Einführung der damals neuen Regelungen positiv bewertet wurde, insbesondere dort, wo Personalpfarreien für die Feier der damals so genannten "außerordentlichen Form" eingerichtet wurden. Dadurch sei in den Diözesen Frieden eingekehrt. Dass sich Befürworter der vorkonziliaren Messe generell gegen das Zweite Vatikanische Konzil stellen, könne nicht verallgemeinert werden.
Der Erlassung des motu proprio traditiones custodes liegt daher eine bewusst falsche Annahme und Begründung zugrunde.