[LJ 65] Das Leben Jesu nach den vier Evangelisten

16. Jesus kommt wieder nach Kapharnaum. Einige Anhänger wollen ihn ergreifen. Die Pharisäaer und Schriftgelehrten beschuldigen ihn der Besessenheit

(Mark. 3, 20-30; Matth. 12, 22-37)

Und sie kamen nach Hause, und es versammelte sich wieder eine große Menge, so dass sie nicht einmal ihr Brot essen konnten. Als die Seinigen es hörten, gingen sie aus, um sich seiner gewaltsam zu bemächtigen, denn sie sagten: „Er ist von Sinnen gekommen.“ 1)

Da ward ein Besessener zu ihm gebracht, der blind und stumm war und Jesus heilte ihn, so dass derselbe reden und sehen konnte. Und die ganze Volksmenge staunte und sagte: „Ist dieser etwa der Sohn Davids?“

Die Pharisäer aber und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, hörten das und sagten: „Er hat den Beelzebub, und nur durch Beelzebub, den Obersten der Teufel, treibt er die Teufel aus.“

Jesus aber kannte ihre Gedanken, rief sie zusammen und sprach zu ihnen in Gleichnissen:

„Wie kann ein Satan den andern austreiben? Jedes Reich, das in sich selbst entzweit ist, geht zugrunde. Und jede Stadt und jedes Haus, die in sich selbst entzweit sind, können keinen Bestand haben. Wenn nun der Satan wider sich selbst aufsteht, und der eine Satan den andern austreibt, so ist er ja mit sich selbst entzweit; wie kann also sein Reich bestehen? Und wenn ich durch Beelzebub die Teufel austreibe, durch wen treiben dann eure Söhne sie aus? Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Teufel austreibe, so ist doch das Reich Gottes zu euch gekommen.

Oder wie kann einer in das Haus eines Starken eindringen und sein Geräte rauben, wenn er nicht zuvor den Starken gefesselt hat? Erst dann kann er sein Haus plündern.

Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

Wahrlich, ich sage euch, alle Sünden werden den Menschen vergeben werden, auch alle Lästerungen, die sie ausgestoßen haben; wer aber wider den heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben werden. Und wer ein Wort wider den Menschensohn redet, dem wird vergeben werden; wer aber wider den heiligen Geist redet, der wird keine Vergebung erhalten, weder in dieser Welt noch in der künftigen, sondern ewiger Sünde schuldig sein.“ 1) Sie hatten nämlich gesagt: „Er hat einen unreinen Geist.“ „Entweder macht den Baum gut und auch seine Frucht gut, oder macht den Baum schlecht und auch seine Frucht schlecht; denn an seiner Frucht erkennt man den Baum. Ihr Natternbrut! Wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid? Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund. Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatze Gutes hervor, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatze Böses hervor. Ich sage euch aber, die Menschen werden über jedes unnütze Wort, das sie reden, am Tage des Gerichts Rechenschaft geben müssen. Denn aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt, und aus deinen Worten wirst du verurteilt werden.

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1) Unter den "Seinigen" sind Anhänger Jesu in Kapharnaum zu verstehen, die auf die Nachricht von dem großartigen Andrange der Menge aus ihren Häusern herbeieilten, um sich des Herrn mit Gewalt zu bemächtigen und ihn so gegen den Andrang des Volks sicher zu stellen. Die Äußerung, er sei von Sinnen gekommen, war vielleicht nur ein gut gemeinter Vorwand.
1) Nicht von allen sogenannten Sünden wider den Heiligen Geist sagt der Heiland, sie würden tatsächlich niemals verziehen werden, sondern von einer solchen Lästerrede, wie die Pharisäer und Schriftgelehrten sie im Munde führten, die wider ihre eigene bessere Überzeugung aus reiner Bosheit offenbare Werke der göttlichen Allmacht dem Teufel zuschrieben. - Für läßliche Sünden gibt es auch in der andern Welt noch Vergebung, aber nicht für Todsünden.

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[LJ i] Das Leben unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus - Vorwort •
[LJ ii] Gebet des hl. Augustinus •
[LJ 1] Die Vorrede des Evangelisten Lukas •
[LJ 2] Die Vorrede des Evangelisten Johannes. •
[LJ 3] Die Ankündigung und die Empfängnis des Vorläufers •
[LJ 4] Die jungfräuliche Empfängnis des Herrn •
[LJ 5] Der Stammbaum Jesu nach Matthäus •
[LJ 6] Die Jungfrau bei Elisabeth •
[LJ 7] Die Geburt des Vorläufers •
[LJ 8] Das Bedenken des hl. Joseph und der Befehl des Himmels •
[LJ 9] Die Geburt Jesu •
[LJ 10] Die Hirten auf der Flur und vor der Krippe •
[LJ 11] Die Beschneidung und Namengebung •
[LJ 12] Die Darstellung im Tempel •
[LJ 13] Die Weisen aus dem Morgenlande •
[LJ 14] Die Flucht nach Ägypten •
[LJ 15] Der Kindermord •
[LJ 16] Die Rückkehr aus Ägypten nach Nazareth •
[LJ 17] Der zwölfjährige Jesus im Tempel •
[LJ 18] Jesus lebt bis zu seinem dreißigsten Jahr, der Welt unbekannt, in demütigem Gehorsam in Nazareth •
[LJ 19] Die Berufung, Bußpredigt und Taufe des Vorläufers •
[LJ 20] Der Täufer und die Pharisäer und Sadduzäer •
[LJ 21] Der Täufer und die Volksscharen, Zöllner und Kriegsleute •
[LJ 22] Das erste Zeugnis des Täufers über Jesus •
[LJ 23] Die Taufe Jesu •
[LJ 24] Der Stammbaum Jesu nach Lukas •
[LJ 25] Die Versuchung Jesu •
[LJ 26] Die Gesandtschaft aus Jerusalem und das zweite Zeugnis des Täufers über Jesus •
[LJ 27] Das dritte Zeugnis des Täufers über Jesus. Die ersten Jünger •
[LJ 28] Die Hochzeit zu Kana •
[LJ 29] Jesus geht nach Kapharnaum hinab •
[LJ 30] Die Reinigung des Tempels •
[LJ 31] Das nächtliche Gespräch mit Nikodemus •
[LJ 32] Jesus in der Landschaft Judäa. Das letzte Zeugnis des Täufers über Jesus •
[LJ 33] Die Auslieferung und Einkerkerung des Täufers •
[LJ 34] Jesus in Samarien •
[LJ 35] Die Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten •
[LJ 36] Jesus lehrt in den Synagogen Galiläas •
[LJ 37] Jesus in Nazareth •
[LJ 38] Jesus lässt sich in Kapharnaum nieder •
[LJ 39] Jesus beruft Simon und Andreas, Jakobus und Johannes zu seiner förmlichen Jüngerschaft •
[LJ 40] Die Austreibung eines unreinen Geistes in der Synagoge •
[LJ 41] Die Heilung der Schwiegermutter Simons •
[LJ 42] Jesus heilt am Abend desselben Tages viele Kranke •
[LJ 43] Jesus betet in der Einsamkeit und durchwandert dann ganz Galiläa •
[LJ 44] Jesus lehrt vom Schiffe des Simon aus •
[LJ 45] Der reiche Fischfang •
[LJ 46] Die Heilung des Aussätzigen •
[LJ 47] Die Heilung des Gelähmten •
[LJ 48] Die Berufung des Matthäus •
[LJ 49] Das Gastmahl im Hause des Matthäus •
[LJ 50] Jesus in Jerusalem. Die Heilung des Kranken am Teiche Bethesda •
[LJ 51] Jesus lehrt, dass er der Sohn Gottes sei •
[LJ 52] Jesus erhärtet die Wahrheit seiner Aussage durch Zeugnisse •
[LJ 53] Jesus mit seinen Jüngern im Saatfelde •
[LJ 54] Die Heilung der verdorrten Hand •
[LJ 55] Jesus zieht, von großen Scharen begleitet, gegen den See Genesareth hin •
[LJ 56] Die Apostelwahl •
[LJ 57] Die Vorbereitung der Bergpredigt •
[LJ 58] Die Bergpredigt •
[LJ 59] Der Hauptmann von Kapharnaum •
[LJ 60] Der Jüngling von Naim •
[LJ 61] Die Gesandtschaft des Täufers •
[LJ 62] Jesus erklärt den Volksscharen die Bedeutung des Täufers •
[LJ 63] Die Sünderin im Hause des Pharisäers •
[LJ 64] Jesus wandert mit den Zwölfen, von einigen geheilten Frauen begleitet, durch Galiläa •
[LJ 65] Jesus kommt wieder nach Kapharnaum. Einige Anhänger wollen ihn ergreifen. Die Pharisäaer und Schriftgelehrten beschuldigen ihn der Besessenheit •
[LJ 66] Die Mutter und die „Brüder“ Jesu •