16. Jesus kommt wieder nach Kapharnaum. Einige Anhänger wollen ihn ergreifen. Die Pharisäaer und Schriftgelehrten beschuldigen ihn der Besessenheit
(Mark. 3, 20-30; Matth. 12, 22-37)
Und sie kamen nach Hause, und es versammelte sich wieder eine große Menge, so dass sie nicht einmal ihr Brot essen konnten. Als die Seinigen es hörten, gingen sie aus, um sich seiner gewaltsam zu bemächtigen, denn sie sagten: „Er ist von Sinnen gekommen.“ 1)
Da ward ein Besessener zu ihm gebracht, der blind und stumm war und Jesus heilte ihn, so dass derselbe reden und sehen konnte. Und die ganze Volksmenge staunte und sagte: „Ist dieser etwa der Sohn Davids?“
Die Pharisäer aber und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, hörten das und sagten: „Er hat den Beelzebub, und nur durch Beelzebub, den Obersten der Teufel, treibt er die Teufel aus.“
Jesus aber kannte ihre Gedanken, rief sie zusammen und sprach zu ihnen in Gleichnissen:
„Wie kann ein Satan den andern austreiben? Jedes Reich, das in sich selbst entzweit ist, geht zugrunde. Und jede Stadt und jedes Haus, die in sich selbst entzweit sind, können keinen Bestand haben. Wenn nun der Satan wider sich selbst aufsteht, und der eine Satan den andern austreibt, so ist er ja mit sich selbst entzweit; wie kann also sein Reich bestehen? Und wenn ich durch Beelzebub die Teufel austreibe, durch wen treiben dann eure Söhne sie aus? Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Teufel austreibe, so ist doch das Reich Gottes zu euch gekommen.
Oder wie kann einer in das Haus eines Starken eindringen und sein Geräte rauben, wenn er nicht zuvor den Starken gefesselt hat? Erst dann kann er sein Haus plündern.
Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.
Wahrlich, ich sage euch, alle Sünden werden den Menschen vergeben werden, auch alle Lästerungen, die sie ausgestoßen haben; wer aber wider den heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben werden. Und wer ein Wort wider den Menschensohn redet, dem wird vergeben werden; wer aber wider den heiligen Geist redet, der wird keine Vergebung erhalten, weder in dieser Welt noch in der künftigen, sondern ewiger Sünde schuldig sein.“ 1) Sie hatten nämlich gesagt: „Er hat einen unreinen Geist.“ „Entweder macht den Baum gut und auch seine Frucht gut, oder macht den Baum schlecht und auch seine Frucht schlecht; denn an seiner Frucht erkennt man den Baum. Ihr Natternbrut! Wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid? Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund. Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatze Gutes hervor, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatze Böses hervor. Ich sage euch aber, die Menschen werden über jedes unnütze Wort, das sie reden, am Tage des Gerichts Rechenschaft geben müssen. Denn aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt, und aus deinen Worten wirst du verurteilt werden.
__________
1) Unter den "Seinigen" sind Anhänger Jesu in Kapharnaum zu verstehen, die auf die Nachricht von dem großartigen Andrange der Menge aus ihren Häusern herbeieilten, um sich des Herrn mit Gewalt zu bemächtigen und ihn so gegen den Andrang des Volks sicher zu stellen. Die Äußerung, er sei von Sinnen gekommen, war vielleicht nur ein gut gemeinter Vorwand.
1) Nicht von allen sogenannten Sünden wider den Heiligen Geist sagt der Heiland, sie würden tatsächlich niemals verziehen werden, sondern von einer solchen Lästerrede, wie die Pharisäer und Schriftgelehrten sie im Munde führten, die wider ihre eigene bessere Überzeugung aus reiner Bosheit offenbare Werke der göttlichen Allmacht dem Teufel zuschrieben. - Für läßliche Sünden gibt es auch in der andern Welt noch Vergebung, aber nicht für Todsünden.